Ausstellung: Ungezähmte Natur als Schauplatz

Die ästhetisch gestaltete Bühne ist Teil eines Stücks. Bühnenbilder aus drei Jahrhunderten zeigt jetzt das Österreichische Theatermuseum.

Ein Theaterstück lebt nicht nur von seiner Geschichte - das Bühnenbild ist ein wichtiges Medium, um die Stimmung und Hintergründe zu veranschaulichen. Das Österreichische Theatermuseum widmet sich in seiner derzeitigen Ausstellung "Ungezähmte Natur" jenen Bühnenbildern und ihrer Geschichte. 

Im Bild: Janis Muncis, Szene in den Bergen aus Peer Gynt von Henrik Ibsen, 1933. Die Landschaft war ein dominates Thema in der Malerei vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Die Künstler deuteten das Verhältnis des Menschen zur Natur immer wieder neu. Das Theater dramatisierte die von der Malerei vorgegebenen Sujets und erfand neue dazu.

Im Bild: Giacomo Torelli, Wolkendekoration, um 1650. Diese in den Raum der Bühne gestellten, begehbaren Bilder entwickelnden sich und vergingen im Bühnenlicht. Sie waren ein komprimiertes Abbild der Welt und die Folie des dramatischen Geschehens. Vor allem aber waren Bühnenbilder nicht selten der eigentliche Anlass des szenischen Ereignisses.

Im Bild: Lodovico Ottavio Burnacini, Die Versuchungen des hl. Antonius, um 1660. Finsterer Wald, wild bewegtes Meer und Einöden waren auf der Bühne der Renaissance und des Barock Schauplätze mythologischer Ereignisse, der Begegnung des Menschen mit Göttern, Satyrn, Nymphen und Ungeheuern. Die antik-mytologische Thematik stand dabei stets im Dienst der Glorifikation hoher Herren.

Im Bild: Lorenzo Sacchetti, Felsige Landschaft, um 1800. Ab dem 18. Jahrhundert wird die ungezähmte Natur in ihrer Fremdheit und Gefährlichkeit zunehmend zum Sehnsuchtsort. Man entdeckt Wildnis und Meer in ihrer Dramatik als Mittel ästhetischen Genusses. Bekannte charakteristische Landschaften werden zu Schauplätzen, Wald und Gebirge zur Bühnenattraktion.

Im Bild: Künstler unbekannt, Gebirgige Landschaft mit Wasserfall, um 1820. Es entsteht eine neue Typologie der Landschaft, die im Theater die erhabene Natur zelebriert. Erst mit der Abkehr vom Realismus und dem Durchbruch der Theaterreformbewegung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert setzt sich der subjektive Blick auf die Landschaft auch im Theater durch.

Im Bild: Alfred Roller, Goldene Höhle aus Der Rübezahl, Ballett von Alfred Roller, Hofoper 1907. Die Ausstellung im Österreichischen Theatermuseum versucht nachzuzeichnen, wie oft und facettenreich die Fantasie der Theaterschaffenden in die wilde Natur flüchtete, um eine Gegenwelt darzustellen. 

Im Bild: Alfred Roller, Ankunft des Holländers aus Der fliegende Holländer von Richard Wagner, Opertheater 1922. Die präsentierten Werke stammen zum Teil aus den eigenen Beständen. Einige Arbeiten sind ausgewählte Leihgaben aus den Theatersammlungen von Bern, der Universität Köln, des Richard Wagner Museums in Bayreuth und der Akademie der bildenden Künste Wien.

Im Bild: Oskar Laske, Urwald aus Der Sturm von William Shakespeare, 1925. Die Ausstellung wurde von Vana Greisenegger-Georgila kuratiert. Von ihr stammt auch der Katalog zur Ausstellung, der im Christian Brandstätter Verlag erschienen ist.

Katalog
Ungezähmte Natur als Schauplatz - Bühnenbilder aus drei Jahrhunderten
von Vana Greisenegger-Georgila
Verlag Christian Brandstätter
(erhältlich im Österreichischen Theatermuseum)

Im Bild: Remigius Geyling, Peer Gynt von Henrik Ibsen, Burgtheater 1925. Ungezähmte Natur - Bühnenbilder aus drei Jahrhunderten
26. Mai bis 26. September
Täglich außer Dienstag 9:30 bis 18 Uhr

Österreichisches Theatermuseum
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien

Im Bild: Remigius Geyling, Der Traum ein Leben von Franz Grillparzer, Hinterglasmalerei-Prospektentwurf, Burgtheater 1926.
(KURIER.at) Erstellt am
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