Kultur
01.10.2018

Aus dem Nachlass: Der Vorläufer von "Jurassic Park"

Michael Crichton und "Dragon Teeth", geschrieben 1974: Viel Vergnügen mit den Riesenzähnen eines Sauriers.

Kein Velociraptor kommt um die Ecke  und fährt seine Sichelkrallen aus. Auch wird es diesmal keine Gelegenheit geben, Parasaurier (die mit dem Entenschnabel) zu beobachten:
„. . . Dann defäkierten sie, ebenfalls gleichzeitig. Jeder Parasaurier produzierte einen großen Haufen strohfarbenen Kots.“
So war das in Michael Crichtons  „Jurassic Park“-Roman 1990, als aus dem Mageninhalt eines in Bernstein verewigtem Insekts die DNA eines Dinos, den es einst gestochen hatte, gewonnen werden konnte.
Heute erscheint auf Deutsch „Dragon Teeth“. Posthum. Der 66-jährige Crichton - Foto unten - starb 2008.
Es geht „nur“ um die Knochen und um Zähne.
„Dragon Teeth“ ist gewissermaßen eine Vorgeschichte zu „Jurassic Park“. Kein Thriller, eher ein Western mit Wyatt Earp, Sioux und zwei historischen Figuren: die amerikanischen Paläontologen Charles Marsh (Yale) und Edward Dringer Cope (Philadelphia), die sich um 1870 einen fiesen Wettkampf  lieferten: Wer findet mehr Knochen von bisher unbekannten Sauriern?
Es war Kriegszustand. Vermutlich zum  ersten Mal ging es in der Wissenschaft so aggressiv zu. Geschossen wurde aufeinander, Sheriffs und die Armee wurden falsch informiert, um Verhaftungen durchzuführen usw.
In „Dragon Teeth“ findet das Team um Cope   riesige Zähne eines Brontosaurus, und wie sie die Fossilien, gut eingepackt in gekochten Reis, vor Indianern und Banditen, die an eine wertvollere Fracht glaubten, in Sicherheit gebracht wurden: Das ist Thema des Romans.
Crichton lag viel daran, Wissenschaftliches  spannend aufzubereiten. Klimakatastrophe, Nanoroboter usw. Der studierte Mediziner ging über vor Ideen, beim Schreiben aber schluderte er.
„Dragon Teeth“ gelang ihm sehr gut. Die Charaktere sind  ausgefeilt wie selten, Landschaften werden beschrieben, Cheyenne, Deadwood, Black Hills, Bear Creek, Fort Laramie . . .
Das ist ein schneller, unterhaltsamer Roman. Mag man Western, so gefällt er überhaupt. Witzig ist er auch – selten unfreiwillig wie an jener Stelle: Es herrscht Angst vor Indianern, man befindet sich im Land der Indianer, die Indianer sind auf Kriegspfad, und ein Reiter kommt halbtot ans Pferd geklammert. In seinem Rücken stecken sechs INDIANERpfeile, und er wird gefragt: „Was war denn los?“
Er antwortet: „Indianer!“
Damit war wirklich nicht zu rechnen gewesen.

 

Michael
Crichton:

„Dragon Teeth“
Übersetzt von
Klaus Berr.
Blessing Verlag.
320 Seiten.
22,70 Euro.

KURIER-Wertung: ****