Kultur
05.08.2018

Auftakt für die "Tatort"-Saison: Mordermittlung in Echtzeit

"Die Musik stirbt zuletzt" kommt ohne Schnitt aus. Ein Experiment für die Kommissare aus Luzern (Sonntag, 20.15, ORF2).

Veränderungen am bewährten Konzept sieht das „ Tatort“-Publikum nicht immer gerne. Wohl mit ein Grund, warum der erste Fall der neuen Saison zu einer Zeit gezeigt wird, zu der in der Regel lediglich Wiederholungen der TV-Reihe ausgestrahlt werden. Dabei müsste sich der neue „Tatort“ nicht in der Sommerpause verstecken.

Das Besondere an „Die Musik stirbt zuletzt“ (heute, 20.15, ORF2): Der Krimi von Regisseur und Drehbuchautor Daniel Levy kommt ohne Schnitt aus und wurde mit nur einer Kamera aufgenommen.

Drehort war das Kultur- und Kongresszentrum Luzern. Dort versammelt sich die Schweizer Schickeria, als der alternde Mäzen Walter Loving zum Benefizkonzert des „Jewish Chamber Orchestra“ lädt. Es soll ein schillernder Abend werden.

Doch schon kurz nach Konzertbeginn wird dem Klarinettisten plötzlich übel, er torkelt benommen hinter die Bühne und bricht dort zusammen. Während das Orchester weiterspielt und der Abend für die Besucher seinen geplanten Verlauf nimmt, wird im Backstage-Bereich schnell klar: Es handelt sich um einen Giftanschlag.

Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer), die zufällig privat auf dem Konzert ist, beginnt zu ermitteln und lässt ihren Kollegen Reto Flückiger (Stefan Gubser) vom Fußballplatz anrücken. Denn auch andere Mitglieder des Orchesters könnten in Gefahr sein. Ihr Geldgeber Loving scheint ein dunkles Geheimnis zu hüten, das die Musiker nun lüften wollen.

Ohne Pause

In Echtzeit verfolgt der Zuschauer das Geschehen des Abends, ist beim Luftröhrenschnitt mit einem Küchenmesser genauso dabei wie beim Erbrechen einer Konzertbesucherin und einer Verfolgungsjagd per Fahrrad. Lediglich eine kurze Unterbrechung in Form einer Rückblende gibt es.

Auf den Wegen zwischen den einzelnen Schauplätzen des Kulturzentrums kommentiert Franky, der Sohn aus dem Hause Loving, das Geschehen und blickt dabei immer wieder direkt in die Kamera: „Lächerlich, deshalb mag ich keine Krimis“, sagt er. „Statt zu sagen, bei wem sie das Gift gefunden haben, macht die Regie einen auf Spannung.“

Das One-Take-Experiment war eine Herausforderung für die Beteiligten. An vier Abenden wurde gedreht, zwei Mal in Hochdeutsch, zwei Mal in Schweizerdeutsch. Die jeweils besten Versionen werden ausgestrahlt. Davor standen wochenlange Proben auf dem Programm – wie für eine Theaterpremiere. Schließlich mussten alle Abläufe sitzen, vor allem bei Kameramann Filip Zumbrunn. Er musste stets wissen, wann welcher Schauspieler von welcher Seite kommt – und seine Unterarme trainieren, um die Kamera eineinhalb Stunden halten zu können.

„Die Musik stirbt zuletzt“ ist einer der letzten Fälle des Luzerner Ermittler-Duos Ritschard und Flückiger – 2019 werden die beiden nach zwei weiteren Einsätzen an das neue Schweizer Team aus Zürich übergeben.

Bis zum nächsten „Tatort“ müssen sich Krimi-Fans übrigens noch gedulden: Erst Ende August geht es mit neuen Folgen weiter (siehe unten).

Die nächsten Fälle:

Weimar:
Wie  im aktuellen Fall in Luzern geht es auch in „Die robuste Roswita“ um einen Giftmord.  Christian Ulmen und Nora Tschirner alias Lessing und Dorn ermitteln am 26. August.

Kiel:
Nach dem Ausstieg von Schauspielerin Sibel Kekilli bekommt Axel Milberg  eine neue Kollegin. Ihren ersten Auftritt hat Almila Bagriacik in „Borowski und das Haus der Geister“ am
2. September.