Kultur
01.03.2015

Die roten Häuschen schimmern durch

In seinem neuen Roman bekämpft der schwedische Krimiautor Arne Dahl optimistisch das globale Verbrechen.

Ausdauer braucht man für Arne Dahls neuesten Kriminalroman "Hass", und Aufmerksamkeit: Der vierte und letzte Teil der Reihe rund um eine Art europäisches FBI nimmt offene Handlungsstränge aus den Vorgängerbüchern – in der deutschen Übersetzung wenig originell "Gier", "Zorn" und "Neid" – auf und verknüpft sie zu einem furiosen Finale.

Sinnlos, sie nacherzählen zu wollen: Ein auf einer einsamen Insel lebendes Paar wird von Drohnen attackiert. Eine schwedische IT-Firma wird gehackt. Ein Video gibt Hinweise darauf, dass zwei bei einem früheren Einsatz getötete Ermittler vielleicht doch noch leben.

Die schreiberische Raffinesse, mit der Dahl seine komplexe Handlung im Griff behält, ist bestechend. Und der hohe Anspruch, der seinen Romanen zu Grunde liegt. Er macht es sich nie in (Schweden-)Klischees gemütlich – und wenn, auf subtile Art und Weise: indem das Land im Norden den sicheren Hintergrund höchst unsicherer Ereignisse abgibt, Ausgangspunkt der Ermittlungen und Heimat seiner wichtigsten Protagonisten ist.

Eiskalte Verbrecher

Dahl arbeitet sich proaktiv an den Erscheinungen der Gegenwart ab. Thematisiert Datenüberwachung und Genmanipulation. Die Welt, die er schildert, gerät zusehends in die Hände eiskalter, superkapitalistischer Verbrecher-Unternehmer. Fast rührend, was Dahl dem entgegensetzt: Ein kleine Gruppe europäischer Elitepolizisten, die sogenannte Opcop-Gruppe, hübsch zusammengesetzt aus schwedischen, französischen, polnischen etc. Staatsangehörigen, schafft es tatsächlich, das Böse mit so altmodischen Tugenden wie Scharfsinn, Mut und Redlichkeit zu bezwingen. Da schimmert dann doch ein rotes Schwedenhäuschen, Symbol für die heile Welt Skandinaviens, durch das Dickicht der Bedrohungen der globalisierten Welt. Auch wenn Dahl vor Jahren in einem KURIER-Interview sagte: "Bei mir gibt es keine roten Häuschen."

Paul Hjelm, Kerstin Holm und wie sie alle heißen sind nicht nur die Helden der "Opcop"-Tetralogie, einige von ihnen wirkten vorher schon elf Romane lang in der schwedischen "A-Gruppe". Jetzt dürfen sie eine wohlverdiente Auszeit nehmen. Dahl schreibt inzwischen an anderen Krimis, wie er der schwedischen Zeitung Aftonbladet sagte. "Ich habe 18 Jahre lang mit diesen Charakteren gelebt. Sie sind ein großer Teil meines Lebens und es ist nicht leicht, sich von ihnen zu lösen. Aber ich brauche jetzt eine Pause von ihnen und sie von mir."

"Genug gelitten"

Gegenüber Aftonbladet sprach der 52-Jährige, der eigentlich Jan Arnald heißt und seine Laufbahn mit "literarisch anspruchsvollen" Romanen begann, auch über seine Entwicklung zum Krimischriftsteller: "Ich hatte mich in einen Akademiker verwandelt, während meine eigene Autorenschaft zusammenschrumpfte. Ich las Weltklassiker und dachte, dass ich genauso gut schreiben muss. Ich hatte zu hohe Ansprüche an mich selbst." Der Druck ließ erst nach, als er begann, unter Pseudonym zu schreiben. Dass der eine oder andere Poet ob seiner Wandlung pikiert die Nase rümpfte, war ihm egal. Er habe auf die feine Welt der Literatur geschi****; fand, dass er genug gelitten hätte. "Ich glaube, dass man in jedem Genre gute Literatur schaffen kann."

Info: Das ZDF zeigte heute Abend „Tiefer Schmerz“ nach Arne Dahl (22 Uhr). Mit Malin Arvidsson ( Kerstin Holm), Shanti Roney ( Paul Hjelm), Alexander Salzberger ( Jorge Chavez) u.a. Die Verfilmungen fünf weiterer A-Gruppe-Romane werden gerade im schwedischen TV erstausgestrahlt; ZDF-Termine stehen noch nicht fest. Auch aus den Opcop-Romanen könnten Filme werden – zumindest sind die Rechte daran verkauft.