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Kultur
04/02/2019

Arik Brauer im Jüdischen Museum: Einmaliges mit Schaukelpferd

„Arik Brauer. Alle meine Künste“ (bis 20. Oktober) zeigt Alle Aspekte des „Universalkünstlers und UniversalgeniesArik Brauer“.

von Werner Rosenberger

Alle Aspekte des „Universalkünstlers und Universalgenies Arik Brauer“, so Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, erfasst die Personale zu seinem 90. Geburtstag im Palais Eskeles in der Dorotheergasse 11: Den Maler und Zeichner, den Bühnenbildner, Schmuck-Designer und Bildhauer, den Autor, Wegbereiter des Austropop und Protestlied-Sänger ...

Der streut Spera und der Co-Kuratorin Daniela Pscheiden Rosen: Die Schau sei mit „einer Fülle an Intelligenz, Einfühlungsvermögen, Liebe und Professionalität“ ein „einmaliges Dokument“.

Reiches Künstlerleben

Die 17 Gemälde im großen Saal sind zur Freude Brauers perfekt ausgeleuchtet. Neben bekannten Arbeiten wie „Mein Vater im Winter“ und „Kristallnacht“ ist mit „Hochzeit/Harei-at-Mekudeschet Li“ auch ein erst letzte Woche fertiggestelltes Bild zu sehen.

Außerdem viel Persönliches wie die Briefe des Vaters aus dem Exil, bevor er im Konzentrationslager ermordet wurde, einmalige Dokumente und zahlreiche „Objekten, die zuvor noch nie gezeigt wurden“, so Spera.

Etwa ein Schaukelpferd, das Brauer aus einem nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 auf der Straße liegenden Holzbalken der abgebrannten Synagoge Tempelgasse in der Leopoldstadt fertigte.

Erzählt wird in Wort und Bild von der Kindheit in Ottakring: „Dass ich nicht jüdisch aussah und wie ein Gassenbub geredet habe, hat mich mehrmals gerettet.“

Von den Anfängen nach dem Krieg: Als er mit dem Fahrrad Afrika und Europa bereist. Als er in der Nacht als Tänzer und Sänger Geld verdient und während des Tages malt. Denn das Malen war immer das Zentrum seines Lebens. Erzählt wird von den Jahren in Paris, von Freundschaften etwa mit Friedensreich Hundertwasser und von der Wiener Schule des Phantastischen Realisten, „die uns einfach passiert ist“ so Brauer, ohne dass es je ein Manifest gegeben hätte.

Unter den Fundstücken auch ein mit eigenen Zeichnungen illustrierter Zeitungsbericht des Künstlers aus Israel während des Jom-Kippur Krieges im KURIER vom 16. Oktober 1973: „So sah ich den Krieg!“

Außerdem eine Liebeserklärung an Brauers Frau Naomi in lebenslanger Verbundenheit: „Ich kenne niemanden außer Naomi und mir, der 62 Jahre krisenfrei und glücklich verheiratet ist.“

Wichtig waren dem begeisterten Bergsteiger und Skifahrer auch zeitlebens die sinnlichen Erfahrungen der Natur, die sich in der Farbigkeit seiner Feinmalerei widerspiegeln. Denn seiner Überzeugung nach „muss man die Sprache der Natur verstehen, um die Sprache der Kunst zu beherrschen.“

Einen geheimnisvollen Zusammenhang sieht Brauer auch zwischen Malerei und Musik: „Viele Menschen summen beim Betrachten von Bildern und sehen Bilder beim Musikhören.“

Architektur

Ein Anliegen ist ihm stets das harmonische Miteinander von bildender Kunst und Architektur. Sie bezeichnet er als „Mutter aller Künste, die jeden Künstler anzieht“. So gestaltet er 1993 das „Brauerhaus“ für die Gemeinde Wien und erklärt: „Die Faszination ist groß für einen Maler, wenn seine Bilder zu Körpern und Bauten werden.“

Mein Vater im Winter

Selbstbildnis 1963

Arik Brauer um 1965

Bekasso Kisso Kasso

Familie Brauer

Zu kurz kommt auch nicht der Humor – für Brauer ein Quell der Lebenslust: „Ich habe wahrscheinlich schon Witze erzählt, bevor ich noch wusste, dass ich ein Jude bin.“ Im neuen Buch „A Jud und keck a no“ (Amalthea) vereint er Humoriges und satirische Zeichnungen.

Wer ist Arik Brauer, und wenn ja, wie viele? Das herauszufinden, sei jedem selbst überlassen. Dazu notwendig ist im jedem Fall ein hoch dotiertes Zeitbudget