Februar 1919: Der erste Wahlkampf der neu gegründeten Republik.

© Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Fotogeschichte
12/26/2014

Als die Reporter zu rasen begannen

Der Wiener Historiker Anton Holzer begab sich auf die Suche nach den Anfängen des Fotojournalismus.

von Karl Oberascher

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, heißt es. Ein Spruch, der sich mit dem schneller werdenden Nachrichtengeschäft schon ad absurdum geführt hat. Heute ist oft schon die Nachricht von vor zwei Stunden nicht mehr aktuell.

Es gab aber auch Zeiten, da brachte die Zeitung von heute Weltnachrichten, die eine ganze Woche alt waren. So lange dauerte es, bis am 5. Juli 1914 das erste Bild von der Ermordung Erzherzog Franz Ferdinands am 28. Juni 1914 in Sarajevo in österreichischen Zeitungen erschien. Geschwindigkeit ist eben relativ.

Wirklich rasend

Unter dem Titel „Rasende Reporter“ hat nun der Wiener Fotohistoriker Anton Holzer die Geschichte der österreichischen Pressefotografie - von den Anfängen in den 1890ern bis ins Jahr 1945 - aufgearbeitet. Von wirklich „rasenden Reportern“ könne man, meint er, aber erst ab 1924 sprechen. In diesem Jahr kaufte sich Lothar Rübelt, Österreichs bekanntester Reporter jener Zeit, ein eigenes Motorrad, um seine Konkurrenten auszustechen.

Ausgerüstet mit den neuen kompakten, kleinen und lichtstarken Kameras wie der Ermanox, der Contax oder der berühmten Leica, waren so aus den einst behäbigen Atelierfotografen die ersten Fotojournalisten geworden.

Hatte die Qualität der Bilder zu Beginn noch zu wünschen übrig gelassen - gedruckt wurde einzig jener der Abzug, welcher am schnellsten in der Redaktion war - kam es in den 1920er-Jahren auch zu einem ersten Qualitätsschub. Stilprägend war dabei die „Berliner Illustirte Zeitung“, die um 1930 bereits eine sagenhafte Auflage von zwei Millionen Exemplaren hatte.

Bilder aus "Rasende Reporter"

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Anton Holzer: Rasende Reporter (Primus Verlag)

Holzer untersuchte nicht nur die Fotografen und ihre Biografien. Reich an Illustrationen und Bildern zeigt „Rasende Reporter“ auch die Trends und Entwicklungen im Seitenlayout. Große, dramatische - oft auch ganzseitige - Bildaufmacher, kombiniert mit meist leichten Themen dominierten die Illustrierten.

Das Bild bleibt

Das Massenmedium Fernsehen erwies sich in den 60ern schließlich als zu großer und vor allem schneller Konkurrent. Der Ende Oktober verstorbene Schweizer FotografRené Burrisoll sich schon 1959 geärgert haben, dass er die Bilder, die er zuvor gemacht hatte, wenig später schon im Fernseher seines Hotels sehen konnte. Wer soll da noch auf die Veröffentlichung in der Zeitung warten? Vier Jahre später schoss Burri jenes Bild, mit dem er heute noch in Erinnerung ist: Che Guevara mit Zigarre im Mundwinkel. Fotografie „versendet“ sich - im Unterschied zum Rundfunk - eben nicht. Gute Bilder bleiben.

„Und davon gibt es heutzutage wieder mehr“, macht sich der Fotohistoriker Holzer im Gespräch mit dem KURIER auch über aktuelle Entwicklungen Gedanken. Über W-Lan-Verbindung schicken Fotografen heute ihre Bilder quasi in Echtzeit an die Redaktionen. Mit dieser Flut an Bildern habe auch die Qualität der publizierten Bilder wieder zugenommen.

Um schließlich die Bedeutung der Pressefotografie bemessen zu können, schlägt Holzer im Vorwort zu „Rasende Reporter“ ein einfaches Gedankenexperiment vor. Man denke sich doch nur mal schnell aus allen Medien die Bilder weg.

"Der Rasende Reporter. Eine Kulturgeschichte des Fotojournalismus" (Primus Verlag).
www.amazon.de
www.anton-holzer.at
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