Intervention von Hans Schabus

© Thomas Trenkler

Kultur
06/29/2021

Angewandte: Der weiße Oskar-Kokoschka-Platz als Leinwand

Die Angewandte feiert das Ende des Studienjahres mit einem analogen Festival und einer Intervention von Hans Schabus

von Thomas Trenkler

Die Angewandte lässt für vier Tage, bis 2. Juli, roten Nebel aufsteigen – auf den bildmächtigen Plakaten für das „Festival“ zum Abschluss des Studienjahres, gestaltet in der Abteilung Grafik und Werbung.

Weiß gekalkt hingegen ist die Verkehrsfläche wie der Rasen zwischen dem Stubenring und dem Wien Fluss. Hans Schabus, Professor für Skulptur und Raum, wollte mit dieser Intervention verdeutlichen, dass es sich nicht, wie man vermuten könnte, um eine Straße, sondern um einen nach Oskar Kokoschka benannten Platz handelt. Aus der Vogelperspektive ist er nun eine riesige Leinwand.

Für die Angewandte hat dieser „Vorplatz“ eine besondere Bedeutung als „Scharnier“ im Dreieck der großen Standorte: Er verbindet das alte Hauptgebäude samt dem Schwanzer-Trakt mit dem raffinierten Neubau hinter historistischer Fassade in der Vorderen Zollamtsstraße 7 sowie den Räumen in der ehemaligen Postsparkasse von Otto Wagner. Dort stehen, vom Eigentümer Signa Holding über die BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) angemietet, nun zusätzliche 8.000 Quadratmeter zur Verfügung.

Es kam daher zu einer Konzentration der Institute auf Gehdistanz. In den letzten zwei Jahren seien zwar acht neue Studien gegründet worden; er werde aber, so Rektor Gerald Bast am Dienstagvormittag, alsbald keine weiteren Forderungen stellen: Man könne jetzt gut arbeiten.

Und man arbeitet bereits seit Beginn des Sommersemesters wieder analog. Denn Kunst, Design und Architektur könne man nicht, wie sich herausgestellt hat, als Fernstudium anbieten. Die Uni eröffnete daher im Kassensaal der PSK eine eigene Teststraße. Das Bildungsministerium finanzierte die Präventionsmaßnahmen mit 400.000 Euro. So entstanden in den letzten Monaten „real things“, wie Bast es ausdrückt.

Und nun, kuratiert von Lena Kohlmayr mit Eva Maria Stadler und Martina Schöggl, präsentiert man die Semester- und Abschlussarbeiten – darunter eine schillernde Mode-Ausstellung. Der Rundgang durch alle Abteilungen und Standorte ist täglich von 11 bis 20 Uhr möglich.

 

Die „Essence“, wie man früher die Präsentation nannte, wurde zudem zum „Festival“ aufgemotzt: Die Studierenden zeigen in der ganzen Stadt Flagge. So wurde in jedem der 23 Bezirke eine Litfaßsäule gestaltet. Schließlich gibt es an der Angewandten 23 Abteilungen. Möglicherweise entdeckt man beim Bummel auch einen Baumstrunk mit einer weißen Fahne hinter einem roten Geländer. Mit dieser Aktion weist die Klasse „Social Design“ auf das Sterben von Straßenbäumen infolge des Klimawandels hin. In der Unterführung der U4 in Meidling ist eine 30 Meter lange „Wandgalerie“ zu bestaunen, bespielt werden u. a. auch zwei Schaufenster (etwa von Knize am Graben).

 

Das Programm ist kunterbunt und eher unübersichtlich. Das gehe nicht anders, so Stadler: „Wir müssen die Kleinteiligkeit abbilden.“ Denn die Studierenden wollen sich eben individuell präsentieren. Tipp: Beim Info-Point am Kokoschka-Platz informieren und einen Rundgang buchen!

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