┬ę Kurier / Gerhard Deutsch

Kultur
04/23/2021

#allesdichtmachen: "Diese Aktion ist nach hinten losgegangen"

Rubey habe seinen "eigenen Shitstorm verschlafen".

Es sind zahlreiche Gr├Â├čen der deutschsprachigen Schauspielszene, die sich am Donnerstag via Twitter und YouTube mit ├╝berspitzt-ironischen Statements gegen die Coronapolitik in Deutschland und ├ľsterreich zu Wort gemeldet haben. Neben Jan Josef Liefers oder Meret Becker sind auch heimische Vertreter wie Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek oder Nina Proll dabei. F├╝r die koordinierte Aktion gab es Zuspruch, aber auch viel Kritik.

"Gerade bei so einem privaten Thema wie meiner Gesundheit, da m├Âchte ich mich eigentlich nicht auf mich selbst verlassen. Ich bin froh, dass der Staat meine Gesundheit zu einer ├Âffentlichen Angelegenheit gemacht hat", erkl├Ąrt Kabarettist Roland D├╝ringer in einem von insgesamt 51 Kurzvideos, die auf YouTube hochgeladen wurden. Nina Proll h├Ąlt wiederum fest: "Fr├╝her dachte ich, ich k├Ânnte frei und selbstbestimmt Karriere machen. Doch das war naiv! Die Pandemie hat mir gezeigt, wo mein Platz ist. Sie hat mir gezeigt, dass Distanz auch N├Ąhe sein kann." Letztlich schlie├čt die Mimin mit: "Das Leben kann t├Âdlich sein. Bleiben Sie f├╝r immer zuhause, und unterst├╝tzen Sie die Coronama├čnahmen."

Untermauert werden die Statements von den Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownf├╝rimmer. Die Sto├črichtung ist dabei stets dieselbe: Wenn schon bestimmte Lebensbereiche aufgrund der Ma├čnahmen zur Eind├Ąmmung des Coronavirus geschlossen werden, k├Ânne man das doch gleich auf alles erweitern - "auch alle Lebensmittell├Ąden, Wochenm├Ąrkte und vor allem auch all die Superm├Ąrkte", wie es beispielsweise Ulrich Tukur in seinem Video fordert.

Wer die Aktion initiiert hat, ist vorerst nicht klar. Auf Twitter posten die Schauspielerinnen und Schauspieler ├╝ber ihre pers├Ânlichen Accounts, der betreffende YouTube-Kanal von #allesdichtmachen hat au├čer den Videos (und bereits mehr als 26.000 Abonnenten) keine weiteren Infos. Eingerichtet wurde die Seite am 16. April, bisher gab es f├╝r die Beitr├Ąge insgesamt 1,63 Mio. Aufrufe (Stand: Freitagvormittag).

Die deutsche Bundesregierung hielt sich mit Bewertungen hingegen zun├Ąchst zur├╝ck. "Die Bundesregierung hat diese Aktion zur Kenntnis genommen und unsere Haltung ist bekannt: Wir arbeiten daran, dass Deutschland die Pandemie schnell ├╝berwinden kann", hie├č es von der zust├Ąndigen Regierungssprecherin. Immerhin machte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Initiatoren ein Dialogangebot: "Dass es Kritik und Fragen gibt an den Ma├čnahmen und den Hintergr├╝nden, das finde ich nicht nur normal, das finde ich in einer freiheitlichen Demokratie w├╝nschenswert."

Dezidiert gegen die Aktion positionierte sich indes Berlins Linken-Kultursenator Klaus Lederer. "Ich kann gut nachvollziehen, dass es nach 13 Monaten Pandemie schwer f├Ąllt, Kraft und Zuversicht zu behalten", sagte der Linke-Politiker: "Wenig Verst├Ąndnis habe ich aber f├╝r Ignoranz gegen├╝ber den massiven Gefahren und den Folgen, die Covid f├╝r unsere Gesellschaft bedeutet. Zynismus und Hohn sind unangebracht."

Der deutsche Bundesverband Schauspiel (BFFS) enthielt sich einer Positionierung. "Manche unserer Kolleg*innen haben sich an dieser Aktion beteiligt, manch andere verurteilen sie aufs Sch├Ąrfste", so der Vorstand: "Wir leben zum Gl├╝ck in einer Demokratie und m├╝ssen um den besten Weg aus dieser weltweiten Pandemie ringen und streiten." Der Pr├Ąsident des Deutschen B├╝hnenvereins, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), reihte sich hingegen in die Kritikerphalanx ein. Die Aktion zeige, "wie zunehmend fragil die Lage in unserer Gesellschaft ist. Sie zeigt auch, dass wir uns k├╝mmern m├╝ssen und die Widerspr├╝che unserer Zeit aussprechen und diskutieren m├╝ssen. Aber bitte konstruktiv und nicht blo├č sarkastisch."

Wie ernst die Aktion gemeint ist, l├Ąsst sich wohl noch nicht klar beurteilen. Liefers distanzierte sich noch in der Nacht von jeglicher N├Ąhe zu Verschw├Ârungstheoretikern und Querdenkern. "Eine da hinein orakelte, aufkeimende N├Ąhe zu Querdenkern u.├Ą. weise ich glasklar zur├╝ck", schrieb der 56-J├Ąhrige auf Twitter. "Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch f├╝r Reichsb├╝rger, Verschw├Ârungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluh├╝te. Punkt." Selbiges tat Heike Makatsch, die betonte, sie wolle das Leid der Coronakranken nicht schm├Ąlern. "Ich habe durch Kunst und Satire den Weg gew├Ąhlt, die Ver├Ąnderung unserer Gesellschaft aufzuzeigen und Raum zu schaffen, f├╝r einen kritischen Diskurs."

Mittlerweile distanzierten sich auch die beteiligten Schauspieler Meret Becker und Ken Duken. "Diese Aktion ist nach hinten losgegangen", sagte Becker auf ihrem Insta-Account und k├╝ndigte an, ihr Video entfernen zu lassen: "Und ich entschuldige mich daf├╝r, dass das falsch verstanden werden konnte." Duken schrieb ebenfalls bei Instagram, er distanziere sich von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien: "Ich bef├╝rworte sinnvolle Ma├čnahmen und eine Impfstrategie. Diese Aktion ist gr├╝ndlich in die Hose gegangen. Ich entschuldige mich f├╝r jegliche Missverst├Ąndnisse."

Einen weiteren Kommentar gab es auch von Rubey, der Freitagfr├╝h ein Video auf Twitter begann mit "Wenn man seinen eigenen Shitstorm verschlafen hat". Er sei von einer von ihm gesch├Ątzten Person gefragt worden und habe einen Beitrag "zur Bedeutung der Kunst" gemacht, zu dem er nach wie vor stehe. "Der leugnet nichts und gar nichts." Die anderen Beitr├Ąge kenne er nicht. "Ich wei├č auch nicht, ob irgendwer irgendwelche Absichten hat - ich glaube eigentlich nicht, sondern nur die Debatte anzuregen." Er wolle jedenfalls "nicht mal einen Millimeter in die N├Ąhe von irgendwelchen Covid-Leugnern und -Leugnerinnen kommen." Die Krankheit sei "h├Âchst gef├Ąhrlich, aber darum ging es mir keine Sekunde". Er werde sich jetzt aus der Debatte rausnehmen.

 

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