© Nikolaus Ostermann / Volkstheater

Kultur
10/15/2021

"Alle Arschlöcher abschlachten“: Langweilige Tötungsfantasie im Volkstheater

Die Volkstheater-Spielstätte „Dunkelkammer“ wurde mit einer Lydia-Haider-Uraufführung eröffnet. In der sollen Männer von Gabalier bis Christus originell getötet werden.

von Guido Tartarotti

Kritik. Lydia Haiders Stück „Zertretung – 1. Kreuz brechen oder Also alle Arschlöcher abschlachten“ hat nicht nur einen komplizierten Titel, es ist eine einzige Einladung zur Empörung. Trotzdem sollte man der Autorin nicht die Freude machen, ihr in die Skandalfalle zu gehen.

Lydia Haider gewann 2020 den Publikumspreis beim Bachmann-Wettbewerb – mit einem Text, der sich selbst zum Thema hatte: Das Gewaltpotenzial von Sprache. Die Jury war weniger begeistert: „Der Text löst sich in Nichts auf“, lautete ein Urteil.

2017 stand Haider im Mittelpunkt von „Babykatzengate“: Gemeinsam mit der Autorin Stefanie Sargnagel hatte sie eine mit öffentlichen Geldern unterstützte Reise nach Marokko unternommen und dort, so stand es ironisch in Sargnagels Reisetagebuch, eine „Babykatze getreten“. Manche Medien missverstanden den satirischen Text absichtlich als reale Beschreibung und inszenierten einen Skandal.

Was werden die Skandalisierer jetzt sagen? In Haiders Stück geht es ausschließlich darum, männliche Menschen des öffentlichen Lebens – von Andreas Khol bis Andreas Gabalier, von Otto Schenk bis Philipp Hochmair, vom Kabarettisten Gery Seidl bis zur Band Wanda, von Richard Lugner bis zu Peter Schröcksnadel, von Jesus Christus bis zu Gott, dem Herrn – auf möglichst originelle Weise zu Tode zu bringen. Da rollen Köpfe, kommen Äxte und Pistolen zu Einsatz, treffen Schredder und Mähdrescher auf menschliche Körper. Auch Thomas Bernhard wird aus dem Grab geholt und zerkleinert – nur „das ganze Jazzer-Pack“ darf weiterleben.

Ego-Shooter

Hausherr Kay Voges, der – ein einziger gelungener Gag – selbst auch unter den Gemetzelten des Abends ist – inszenierte das Ganze als Ego-Shooter-Videospiel. Drei Darstellerinnen in Overalls und mit Gesichtsmaske (Evi Kehrstephan, Lavinia Nowak, Claudia Sabitzer) spielen oder lesen Haiders Tiraden, dazwischen dürfen Zuschauer per Joystick auf menschliche Figuren ballern und am Ende des Abends das Publikum selbst meucheln.

Was möglicherweise eine provokante Auseinandersetzung mit der Allgegenwart von Gewalt hätte sein sollen,  ist leider eine hochgradig langweilige, monotone, ziemlich plumpe Mordfantasie, der es – etwa im Unterschied zu den Filmen von Quentin Tarantino – auch völlig an Humor fehlt.

Die Autorin unterhielt sich, im Publikum sitzend, prächtig, und bekam nachher viel Applaus.

 

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