Kultur
12.03.2014

Albertina: Ein Hase im Klee der Historie

Die Schau "Zwischen Dürer und Napoleon" erzählt von der Gründung der Albertina.

Man könnte zynisch sein und sagen, dass die Ausstellung „Zwischen Dürer und Napoleon – Die Gründung der Albertina“ ein wenig wie ein Deep-Purple-Konzert funktioniert: Zuerst gibt’s eine Geschichtsstunde, dann erst kommen die „Greatest Hits“, nur dass statt „Smoke On The Water“ eben Dürers „Feldhase“ gegeben wird.

Man würde dieser Schau – vermutlich die dichteste und reichhaltigste, die in der an Superlativen nicht armen Albertina je gezeigt wurde – damit aber unrecht tun.

Denn zum einen demonstriert das Museum eindrucksvoll, warum seine Sammlung Weltgeltung besitzt, und spielt dabei seltene, teils nie gezeigte „Hits“ aus.

Umbruchszeit

Zum anderen wird im umfangreichen historischen Teil der Schau eine Geschichte erzählt, die geeignet ist, auch abgebrühte Wiener aus ihrer Schönbrunn- und Habsburger-Lethargie zu reißen: Es geht um Intrigen, ein Zerrspiel zwischen Liebe und politischem Kalkül und um eine Umbruchszeit, in der die Kräfte von Aufklärung und höfischen Zeremoniell auf faszinierende Weise ineinander greifen.

Herzog Albert von Sachsen-Teschen, der Namensgeber der Albertina (1738 – 1822), gerät als Kristallisationspunkt dieses Kräftespiels dabei zur schillernden Figur: Als Abkömmling des sächsischen Kurfürsten August II. gewann er 1764 das Herz von Erzherzogin Marie-Christine, der „Lieblingstochter“ von Kaiserin Maria Theresia.

Die Herrscherin selbst intrigierte, um eine „Liebesheirat“ entgegen der habsburgischen Gepflogenheiten zu ermöglichen. Als die Hochzeit 1766 zustande kam, war Albert – dank des Vermögens seiner Frau und des ihm überlassenen Kronlehens Teschen – ein gemachter Mann.

Die ungewöhnliche Liaison hatte auch zur Folge, dass der unter seiner Gattin rangierende Albert sich weniger politischen Verpflichtungen als seinen Leidenschaften widmen konnte: Eine Bildungsreise nach Italien gab dabei den Startschuss zu jener Sammlung, die gegen Ende seines Lebens 14.000 Zeichnungen und 200.000 Druckgrafiken umfassen sollte.

Aufklärung und Adel

Die von Christian Benedik kuratierte Ausstellung will zum einen den aufklärerischen Hintergrund von Alberts Sammeltätigkeit aufzeigen: Eine allumfassende bildnerische Enzyklopädie hatte der Herzog im Sinn, gesammelt wurden Stadtansichten ebenso wie exquisite Kunstwerke, allesamt nach strengen Kriterien geordnet.

Highlights der Albertina-Schau

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Herzog Albert von Sachsen - Teschen mit dem Plan d…

Alexandre RoslinErzherzogin Marie Christine, 177…

Friedrich Heinrich FügerKaiserin Maria Theresia …

Pieter Bruegel d. Ä.Die großen Fische fressen di…

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Rembrandt Harmensz. van RijnEin Elefant, 1637A…

Leonardo da VinciHalbfigur eines Apostels, 1493-…

Jakob von AltDas Palais Herzog Alberts mit der A…

Albrecht DürerFeldhase, 1502© Albertina, Wien…

Albrecht DürerBetende Hände, 1508Albertina, Wi…

Ignaz Joseph Würth, 1742 - 1792Das Prunkservice …

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Domenico del FrateDas Kenotaph Erzherzogin Marie…

Zum anderen zielt die Schau aber über den Sammlungsbestand, der in Alberts Testament 1816 als „untrennbar und unveräußerbar“ deklariert und 1826 an das Wiener Palais gebunden wurde, hinaus: Denn bei allem Aufklärertum war Albert ein Fürst alter Schule, der ein Leben im Prunk führte. Exponate wie sein opulentes Silberservice, Wedgwood-Keramiken und Gemälde geben eine Ahnung davon.

Es sind widersprüchliche Perspektiven, die sich dabei eröffnen, und es lohnt, zum besseren Verständnis einen der zwei (!) Kataloge zur Hand zu nehmen. Am Ende sind es aber die Exponate, die die Geschichte erzählen: Wer für die Aura alter Dokumente und Artefakte nicht ganz unempfänglich ist, wird auch sie und nicht nur die „Greatest Hits“ zu schätzen wissen.