Albertina: Ein Hase im Klee der Historie

Die Schau "Zwischen Dürer und Napoleon" erzählt von der Gründung der Albertina.
Ein brauner Hase liegt auf dem Boden.

Man könnte zynisch sein und sagen, dass die Ausstellung „Zwischen Dürer und Napoleon – Die Gründung der Albertina“ ein wenig wie ein Deep-Purple-Konzert funktioniert: Zuerst gibt’s eine Geschichtsstunde, dann erst kommen die „Greatest Hits“, nur dass statt „Smoke On The Water“ eben Dürers „Feldhase“ gegeben wird.

Man würde dieser Schau – vermutlich die dichteste und reichhaltigste, die in der an Superlativen nicht armen Albertina je gezeigt wurde – damit aber unrecht tun.

Denn zum einen demonstriert das Museum eindrucksvoll, warum seine Sammlung Weltgeltung besitzt, und spielt dabei seltene, teils nie gezeigte „Hits“ aus.

Umbruchszeit

Zum anderen wird im umfangreichen historischen Teil der Schau eine Geschichte erzählt, die geeignet ist, auch abgebrühte Wiener aus ihrer Schönbrunn- und Habsburger-Lethargie zu reißen: Es geht um Intrigen, ein Zerrspiel zwischen Liebe und politischem Kalkül und um eine Umbruchszeit, in der die Kräfte von Aufklärung und höfischen Zeremoniell auf faszinierende Weise ineinander greifen.

Herzog Albert von Sachsen-Teschen, der Namensgeber der Albertina (1738 – 1822), gerät als Kristallisationspunkt dieses Kräftespiels dabei zur schillernden Figur: Als Abkömmling des sächsischen Kurfürsten August II. gewann er 1764 das Herz von Erzherzogin Marie-Christine, der „Lieblingstochter“ von Kaiserin Maria Theresia.

Die Herrscherin selbst intrigierte, um eine „Liebesheirat“ entgegen der habsburgischen Gepflogenheiten zu ermöglichen. Als die Hochzeit 1766 zustande kam, war Albert – dank des Vermögens seiner Frau und des ihm überlassenen Kronlehens Teschen – ein gemachter Mann.

Die ungewöhnliche Liaison hatte auch zur Folge, dass der unter seiner Gattin rangierende Albert sich weniger politischen Verpflichtungen als seinen Leidenschaften widmen konnte: Eine Bildungsreise nach Italien gab dabei den Startschuss zu jener Sammlung, die gegen Ende seines Lebens 14.000 Zeichnungen und 200.000 Druckgrafiken umfassen sollte.

Aufklärung und Adel

Die von Christian Benedik kuratierte Ausstellung will zum einen den aufklärerischen Hintergrund von Alberts Sammeltätigkeit aufzeigen: Eine allumfassende bildnerische Enzyklopädie hatte der Herzog im Sinn, gesammelt wurden Stadtansichten ebenso wie exquisite Kunstwerke, allesamt nach strengen Kriterien geordnet.

Ein Porträt von Karl III. in Uniform mit einer Karte und einem Helm.

Herzog Albert von Sachsen - Teschen mit dem Plan d…
Ein Porträt einer eleganten Frau mit Fächer in einem blau-lila Kleid.

Alexandre RoslinErzherzogin Marie Christine, 177…
Ein Gemälde zeigt eine adelige Familie, die ein gerahmtes Bild betrachtet.

Friedrich Heinrich FügerKaiserin Maria Theresia …
Eine fantastische Szene mit einem riesigen Fisch, der von kleineren Fischen und Menschen bevölkert wird.

Pieter Bruegel d. Ä.Die großen Fische fressen di…
Eine Bleistiftzeichnung einer jungen Frau mit einem großen Kragen.

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Eine Zeichnung von zwei Männern, einer mit Bart und Pinsel, der andere mit Brille.

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Eine Bleistiftzeichnung eines Elefanten von Rembrandt aus dem Jahr 1637.

Rembrandt Harmensz. van RijnEin Elefant, 1637A…
Eine Zeichnung eines älteren Mannes mit Bart und ernstem Blick.

Leonardo da VinciHalbfigur eines Apostels, 1493-…
Eine historische Ansicht des Palais Liechtenstein in Wien mit Personen im Vordergrund.

Jakob von AltDas Palais Herzog Alberts mit der A…
Ein Hase, gezeichnet von Albrecht Dürer im Jahr 1502.

Albrecht DürerFeldhase, 1502© Albertina, Wien…
Eine Zeichnung von betenden Händen auf blauem Grund.

Albrecht DürerBetende Hände, 1508Albertina, Wi…
Ein reich gedeckter Tisch mit silbernem Geschirr und Kerzenleuchtern vor Wandteppichen.

Ignaz Joseph Würth, 1742 - 1792Das Prunkservice …
Eine reich verzierte, historische Robe mit Hermelinbesatz und goldenen Stickereien.

Ein antiker Spieltisch aus Holz mit goldenen Verzierungen.

Eine Porzellanfigur eines Mannes im historischen Kostüm mit einem Mops.

Das Denkmal für Maria Christina von Österreich, mit Trauernden vor einer Pyramide.

Domenico del FrateDas Kenotaph Erzherzogin Marie…

Zum anderen zielt die Schau aber über den Sammlungsbestand, der in Alberts Testament 1816 als „untrennbar und unveräußerbar“ deklariert und 1826 an das Wiener Palais gebunden wurde, hinaus: Denn bei allem Aufklärertum war Albert ein Fürst alter Schule, der ein Leben im Prunk führte. Exponate wie sein opulentes Silberservice, Wedgwood-Keramiken und Gemälde geben eine Ahnung davon.

Es sind widersprüchliche Perspektiven, die sich dabei eröffnen, und es lohnt, zum besseren Verständnis einen der zwei (!) Kataloge zur Hand zu nehmen. Am Ende sind es aber die Exponate, die die Geschichte erzählen: Wer für die Aura alter Dokumente und Artefakte nicht ganz unempfänglich ist, wird auch sie und nicht nur die „Greatest Hits“ zu schätzen wissen.

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