© Bayerische Staatsoper/WILFRIED HOESL

Kultur
07/24/2019

„Agrippina“ in München: Der größte Idiot landet auf dem Thron

Kritik. Erfolg für die Opernfestspiele mit Georg Friedrich Händels Werk.

von Gert Korentschnig

Premiere Nummer 1 war „Salome“ gewidmet, mit Dirigent Kirill Petrenko, Regisseur Krzysztof Warlikowski und Marlis Petersen in der Titelpartie. Premiere Nummer 2 dann Händels „Agrippina“ – ebenfalls einer starken, brutalen Frauenfigur.

Und dazwischen gibt es Wiederaufnahmen wie „Meistersinger“ mit Jonas Kaufmann und neuerlich Petrenko am Pult. Nicht ganz übel, was bei den Opernfestspielen der Bayerischen Staatsoper zu sehen ist.

Wie in Salzburg – dort hat seine Interpretation von Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ am 14. August Premiere – inszeniert auch in München Barrie Kosky. Leider hatte man – möglicherweise auch der vier Stunden langen Oper mit schier unendlichen Da-Capo-Arien geschuldet – das Gefühl, er hätte noch ein paar Tage gebraucht, um dieses Stück mit allen Sängern nach seinen Ideen zu erarbeiten.

Aber selbst wenn Kosky nicht seine beste Arbeit vorlegt, ist sie immer noch weit über dem Opernallerlei an anderen Orten. In „Agrippina“ geht es um Intrigen der Protagonistin und ihrer Widersacherin Poppea. Erstere will ihren Sohn aus erster Ehe, Nero, auf dem Thron hieven, Letztere ihren Ottone bekommen. Es geht also um Macht und Liebe (in welcher Oper nicht?) – und hier bekommt am Ende der von Kosky als größter Idiot gezeichnete Nero die Krone.

Es ist eine Art „House of Cards“, das im Prinzenregententheater abläuft, mit Agrippina als Claire Underwood und ihrem Gatten Claudius als Frank. Als wäre auch dieser über #MeToo gestolpert, ist Agrippina die Starke. Die Bühne ist eine Metallkonstruktion mit Jalousien, die nur manchmal Einblicke gewähren, was sich im Hintergrund abspielt.

Musikalisch erstklassig

Gesungen wird exzellent, von Alice Coote (Agrippina), Iestyn Davies (Ottone) und vor allem von Franco Fagioli als hilfloses Mamasöhnchen Nero. Elsa Benoit (Poppea) sollte laut Regie wohl lustig sein, ist es aber nicht. Überhaupt wird man den Eindruck nicht los, dass es Kosky selbst manchmal fad wird, sodass er ein paar Theatertricks einstreut. Die Komödie ist insgesamt besser als das Drama. Und diese Produktion bei allen Einwänden ein Erfolg – auch wegen des sensiblen Dirigats von Ivor Bolton am Pult der farbenprächtig spielenden Originalklangformation des Staatsorchesters.

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