Doku über „The Great Green Wall“, ein gigantisches Begrünungsprojekt in der Sahelzone

© Polyfilm

Film
11/01/2020

Afrikanisches Klimaprojekt: „Die Zeit arbeitet gegen uns“

„The Great Green Wall“ erzählt von einem Vorzeigeprojekt, das mit der Bepflanzung von Bäumen die Wüste stoppt

von Alexandra Seibel

„The Great Green Wall“ ist nicht nur der Titel eines Dokumentarfilms, den es derzeit (noch) im Kino zu sehen gibt. „The Great Green Wall“ ist so etwas wie ein grünes Weltwunder: Es handelt sich um ein Vorzeigeprojekt, das 2005 von der Afrikanischen Union beschlossen wurde, um die Ausbreitung der Sahara einzudämmen. Quer durch den Kontinent soll ein 8000 Kilometer langer Gürtel aus Bäumen gepflanzt werden.

Noch nie davon gehört?

„Viele Menschen haben noch nie davon gehört“, seufzt der amerikanische Filmemacher Jared P. Scott, der gerade seine Doku „The Great Green Wall“ promotet: „Ich weiß davon, weil ein Freund von mir darüber ein Buch geschrieben hat, als das Projekt gestartet wurde. Aber es ist leider nicht so, dass in den Medien sehr viel darüber berichtet wird. Genau deswegen haben wir ja diesen Film gemacht: Damit wir das Wissen um die große, grüne Mauer in die Hauptadern der Informationsflüsse einspeisen können.“

Roadmovie

Die Doku „The Great Green Wall“ wird nicht nur mit dem Logo der UNO beworben, auch der Filmemacher Fernando Meirelles („City of God“) steht als Executive Producer mit seinem Namen Pate: „Ich stieß praktisch auf ein Projekt, das in seinen Grundzügen schon fertig auf den Beinen stand“, erzählt Jared P. Scott fröhlich: „Die malische Sängerin Inna Modja und ihre Musik, und die große, grüne Mauer sollten das Herz der Doku darstellen. Meine Aufgabe bestand nun darin, diese beiden Momente miteinander zu verbinden und in einem Film zu erzählen.“

Ihn selbst habe an diesem Projekt das Problem der „climate injustice“ am meisten interessiert, sagt Scott: „Wir haben es hier mit einer Region zu tun, die am Allerwenigsten zur Klimakatastrophe beigetragen hat und trotzdem ganz stark mit den üblen Konsequenzen kämpfen muss. Mir ging es darum, die Schönheit und die Zerbrechlichkeit, die Lebendigkeit und die Verletzlichkeit der Sahelzone zu zeigen. Und das tue ich in Form eines Roadmovies: Es soll nicht nur vor den negativen Folgen der Klimakrise warnen, sondern auch eine Geschichte der Hoffnung sein.“

Tochter der Sahelzone

So folgt Jared P. Scott mit seinem Kamerateam Inna Modja, die sich selbst als „Tochter der Sahelzone“ bezeichnet, auf ihrer Reise durch jene Länder, die am Projekt beteiligt sind.

Die Reise führt vom Senegal über Mali, Burkina Faso und Nigeria über den Sudan nach Äthiopien. In jedem Land gibt es einen Zwischenstopp, bei dem Inna Modja Menschen besucht oder mit Musikern Auftritte absolviert. Schon während der Fahrt verarbeitet sie ihre Erfahrungen zu Songs, die am Ende auf Platte erscheinen sollen.

„Im Senegal trafen wir beispielsweise auf Bauern, die überlegen, ob sie weiter um ihre Existenz kämpfen oder lieber gleich das Land verlassen sollen“, berichtet Jared P. Scott über das Problem der Landflucht aufgrund der Dürre. „In Nigeria wiederum wollten wir uns ganz besonders dem Problem der Radikalisierung und den Umtrieben der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram widmen.“

Jene Szenen sind ganz besonders berührend, in denen zwei junge Schülerinnen in Maiduguri der Sängerin davon erzählen, wie sie von Boko Haram entführt wurden. Auch eine Begegnung mit jungen Männern in Niger, die vergeblich versucht hatten, nach Europa zu flüchten und stattdessen in libyschen Gefängnissen landeten, sind herzzerreißend. Aber Inna Modja lässt in den Gesprächen auch ihre eigene Geschichte miteinfließen, indem sie beispielsweise von dem traumatischen Erlebnis der Genitalbeschneidung erzählt, die ihr als Kind zugefügt wurde.

Die Bilder in „The Great Green Wall“ sind auf Hochglanz poliert. Schnelle Schnittfolgen wechseln sich mit dramatischen Zeitlupen ab: „Ich weiß, dass Zeitlupe oft überstrapaziert wird“, gibt Jared P. Scott zu, „deswegen haben wir auch so viel mit der Handkamera gedreht. Mein Kameramann Tim Gragg war früher Tänzer, und er ist mit der Kamera auf der Schulter nur so dahin geglitten. Die Zeitlupe haben wir immer dann eingesetzt, wenn es um Momente der Ruhe und des Innehaltens ging, oder wenn wir unterwegs auf jemanden stießen, dessen Blick wir unbedingt festhalten wollten.“

Gleichzeitig aber sollte der zügige Fluss der Bilder auch so etwas wie Dynamik und Dringlichkeit vermitteln: „Wir sind auf einer Mission, denn wir befinden uns mitten in einer Klimakrise“, sagt Jared P. Scott: „Alles, was heute zum Klimaschutz passiert, hätte schon gestern passieren müssen. Die Zeit arbeitet gegen uns.“

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