Kultur
10.11.2017

Adriana Netrebko – eine perfekte Symbiose

Die größte Sängerin unserer Zeit begeisterte in Wien.

Singt Anna Netrebko eigentlich nur noch Opern, in denen sie am Ende stirbt? (Na gut, lassen wir Ausnahmen wie etwa die "Eugen Onegin"-sche Tatjana beiseite). Aber ob als Aida oder als Leonora im "Trovatore", ob als Violetta oder demnächst an der Scala als Maddalena in "Andrea Chénier", ob als Lady Macbeth oder im kommenden Frühjahr als Tosca an der MET – die tragischen Finali sind das Ihre. Keine geht so mitleidserregend zugrunde wie sie. Das war nun auch an der Wiener Staatsoper bei ihrem hiesigen Debüt als Adriana Lecouvreur von Francesco Cilèa zu erleben.

Plattform für eine Diva

Nun ist dieses Werk unter allen genannten definitiv nicht das beste. Man hört in jeder Phase die musikalischen Raubzüge und den bedingungslosen Drang zum Effekt. Aber für eine große Künstlerin wie sie bietet diese Oper eine ideale Plattform für die Zur-Schau-Stellung und Zu-Gehör-Bringung ihrer einzigartigen Kunst. Die "Adriana" und die Netrebko gehen eine perfekte Symbiose ein. Das hat es wohl seit der Callas oder der Tebaldi nicht mehr gegeben.

Netrebkos Timbre wird immer schöner, die tiefen, verdunkelten Töne erzeugen eine atemberaubende Wucht, in der Höhe bleiben Sicherheit und Präzision aber unangetastet. Ausdruckskraft und Volumen sind beeindruckend, ihre Phrasierungen traumhaft schön. So banal kann das Werk also gar nicht sein, dass man ihr nicht leidenschaftlich folgen würde.

An ihrer Seite debütierte Piotr Beczala exzellent als Maurizio, mit Schmelz in der Stimme, strahlenden Höhen, schöner Italianità und allen anderen Attributen eines Nummer-1-Tenors. Elena Zhidkova ist als famose, Schönklang und Kraft vereinende Principessa di Bouillon eine würdige Gegenspielerin. Auch Roberto Frontali als Michonnet ist gut besetzt, ebenso wie Alexandru Moisiuc als Principe di Bouillon.

Evelino Pidò am Pult des Staatsopernorchesters setzt erfolgreich auf Farbenpracht, dynamische Differenzierung und Dramatik, ohne die Sänger je zu überdecken.

Die Inszenierung von David McVicar ist nach Art des Hauses, Schwamm drüber.