Sind der Stadt Wien dankbar: Geschäftsführer Michael Bladerer und Daniel Froschauer, der Vorstand der Wiener Philharmoniker

© Kurier/Juerg Christandl

Kultur
04/16/2021

95 Musiker der Wiener Philharmoniker wurden geimpft

Das Orchester ist der Stadt Wien "sehr dankbar“. Das Kulturministerium befürwortet die Vorreihung nicht, Gerhard Ruiss übt Kritik.

von Thomas Trenkler

In den sozialen Netzwerken machte das Gerücht die Runde, dass die Wiener Philharmoniker bevorzugt behandelt und bereits "durchgeimpft" worden seien - darunter Musiker, die keine Hochrisikopatienten sind und laut Impfplan noch nicht an der Reihe wären.

 

Auf Nachfrage des KURIER bestätigte Daniel Froschauer, der Vorstand der Wiener Philharmoniker, und Geschäftsführer Michael Bladerer das Gerücht: "Ja, ein Teil der Wiener Philharmoniker wurde geimpft." Das Orchester sei der Stadt Wien "sehr dankbar für ihre Unterstützung in dieser so schwierigen Zeit“.

Froschauer und Bladerer begründen die Bevorzugung dahingehend, dass "die Wiener Philharmoniker spielfähig bleiben müssen". Es gäbe unterschiedliche Spielverpflichtungen wie das Sommernachtskonzert im Park von Schloss Schönbrunn oder auch Auftritte im Ausland, die an internationale TV- und andere Medienkooperationen geknüpft sind. "Diese Verpflichtungen können nur wahrgenommen werden, wenn beide Teilimpfungen verabreicht wurden. Ansonsten hätten die Wiener Philharmoniker hohe vertragliche Pönalstrafen zu zahlen – auch bei weiteren Auftritten, die ohne Impfung nicht möglich sein werden."

Jener Teil der Wiener Philharmoniker, der an diesen Projekten mitwirkt, wurde geimpft. "Es handelt sich dabei um 95 Impfdosen." Mithin wurde mehr als die Hälfte der Musiker bereits geimpft. 

"Eklatante Ungleichbehandlung"

Das Kulturministerium war in die Entscheidung zur Vorreihung der Wiener Philharmoniker nicht involviert und befürwortet eine solche auch nicht: "Staatssekretärin Andrea Mayer freut sich zwar grundsätzlich über jede Impfung, die in Österreich durchgeführt werden kann, hat in den letzten Wochen aber in vielen Gesprächen immer wieder betont, dass der nationale Impfplan aus ihrer Sicht für alle Menschen, die in Österreich leben, gleichermaßen gilt."

Gerhard Ruiss, Sprecher der IG Autorinnen Autoren, reagierte erbost. Er hatte gefordert, dass Kunst- und Kulturschaffende als Berufsgruppen im Impfplan berücksichtigt werden sollen: "Von individuellen Vorzugsbehandlungen und schließlich automatischen Benachteiligungen anderer war da nicht die Rede."

Ruiss stellt eine "eklatante Ungleichbehandlung" fest: "Die Argumente, die jetzt vorgebracht werden, gelten auch für zahlreiche andere, die ebenso arbeitsfähig bleiben müssen und Verpflichtungen haben. Es ist vollkommen unverständlich, dass etwas für die einen selbstverständlich sein soll, das für die anderen unzugänglich bleibt."

 

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