Gegensätze ziehen sich an:  Culture-Clash zwischen einer Baskin und einem Andalusier, die so tun müssen, als wären sie verlobt

© Thimfilm

Komödien-Hit: "Basken vor, noch ein Tor!"
06/11/2015

Komödien-Hit: "Basken vor, noch ein Tor!"

Culture-Clash-Komödie aus Spanien, in der sich ein feuriger Andalusier in eine mürrische Baskin verliebt. Weiters: "Jurassic World", "Miss Bodyguard", Beach-Boys-Film und ORF-Landkrimi aus Kärnten.

von Alexandra Seibel

Für den Andalusier steht jeder Baske generell unter Terrorismusverdacht, auch wenn es eine betrunkene Frau im Rüschenkleid ist.

Besser ihr keine Flasche in die Hand geben – sie könnte einen Molotow-Cocktail basteln. Umgekehrt hegt die Baskin größte Vorurteile gegen den Andalusier: In ihren Augen ist er ein schmalziger Flamenco-Trottel, der ihr gern gestohlen bleiben kann. Beste Voraussetzungen, um nach dem nicht sehr originellen Motto "Gegensätze ziehen sich an" im Weinrausch gemeinsam ins Bett zu sinken.

Culture Clash

Mit "8 Namen für die Liebe" macht das sehr beliebte Fach der Culture-Clash-Komödie nach Erfolgshits wie "Willkommen bei den Sch’tis" (Frankreich) oder "Willkommen im Süden" (Italien) nun auch in Spanien Furore und spielte mit zehn Millionen Zuschauern den Landesrekord ein. Zugespitzte Klischees aufeinanderprallen lassen – ein sicheres Erfolgsrezept.

In Österreich würde vielleicht der "faule Wiener" und die "verstreberte Vorarlbergerin" so ein komisches Paar abgeben. In Spanien verkörpern die "widerborstige Baskin" und der "aalglatte Andalusier" die charakterlichen Landesgegensätze.

Rafa, der feurige Verführer aus Sevilla, verliebt sich in Amaia, die baskische Dorfschönheit, und reist ihr nach dem (missglückten) One-Night-Stand ins Baskenland hinterher. Seine Freunde raten ihm schwer ab ("Alles ETA-Terroristen!"), doch Rafa packt tapfer sein Sprachbuch ein ("Baskisch ohne Furcht") und bricht in den Norden auf. Dort herrscht freudloser Nieselregen.

Nachdem er versehentlich einen Mistkübel angezündet hat, wandert er ins Gefängnis und gibt sich als Separatist aus. Die Mitglieder einer linken Gruppe sind begeistert und lassen ihn bei der nächsten Demo Slogans schreien ("Basken vor, noch ein Tor!") Die meiste Zeit aber verbringt Rafa damit, so zu tun, als wäre er Amaias baskischer Verlobter – damit Amaias Vater nicht erfährt, dass der echte Verlobte seine Tochter sitzen ließ.

Mit den ruppigen Nordländern ergeht es Rafa ähnlich wie den Galliern mit den Korsen in " Asterix auf Korsika": Sie sind ein schwer verständliches Völkchen. Basken umarmen einander nicht und sind generell mürrisch. "Rummachen" kommt nicht infrage, die Hand am Hintern ist eine Zumutung. Dafür findet Rafa die Frisur seiner Schein-Verlobten blöd ("Hat dir jemand mit der Axt die Haare abgeschlagen?")

Formal anspruchslos, schnurrt sich das Komödchen nett und turbulent herunter – bis hin zum Traualtar. Sagt eine Spanierin: "So sind sie, die Basken. Sie wollen ihre Unabhängigkeit, aber eigentlich lieben sie uns."

Wer Spanisch versteht, hat sicher mehr zu lachen.

INFO: S 2014. 98 Min. Von Emilio Martínez Lázaro. Mit Clara Lago, Dani Rovira.

KURIER-Wertung:

Dino-Wiederauferstehung ein seltsames Erlebnis

Es kracht und dröhnt, rumort und bebt: Wenn im Kinosaal der Lärmpegel auf Heavy-Metal-Konzert-Niveau steigt, dann weiß man, die Dinosaurier sind wieder da. Flink, beweglich und täuschend echt wie nie zuvor (dank digitaler Computertechnik) leben sie auf der Isla Nubar und bescheren den Besuchern des Vergnügungsparks massenhaft Freude. Alles wäre paletti, würden die Gäste nicht immer nach neuen Attraktionen gieren: Also wird im Labor ein neuer Dinosaurier erschaffen.

Leider erweist sich der Indominus Rex als Killermaschine. 22 Jahre nach "Jurassic Park" ist die Dino-Wiederauferstehung ein seltsames Erlebnis: Die Viecher sind irgendwie aus der Zeit gefallen. Obwohl Steven Spielberg mit Colin Trevorrow einen komplett neuen Besen für den Regie-Sessel geholt hat. Und obwohl Chris Pratt ein ziemlich cooler und witziger Dino-Dompteur ist.

Alles ist – trotz perfekter Optik , nicht mehr so atemberaubend wie es einmal war. Es bewahrheitet sich die alte Binsenweisheit: Alte Geschichten soll man nicht aufwärmen. Aber inzwischen ist ja eine neue Generation von Kinofans nachgewachsen: Und denen bleibt vielleicht der Mund genauso offen wie uns in den Neunzigern.

KURIER-Wertung:

Frauenquote für schlechte Witze

Die Bereitschaft, gegen einen Drogenboss auszusagen, kann Leib und Leben gefährden. Davon konnten sich Kinogeher mehrfach überzeugen. Waren es bisher vorwiegend Männer, die einander an Kopf und Kragen wollten, so sorgen in "Miss Bodyguard" zwei Frauen für Action auf der Leinwand.

Reese Witherspoon spielt eine Polizistin, kurz "Cooper" genannt, und Sofía Vergara leiht Daniella, der Ehefrau des Drogenbosses, ihr Model-Gesicht. Cooper soll Daniella als Kronzeugin vors Gericht eskortieren und dafür sorgen, dass sie auf dem Weg dorthin nicht vom rachsüchtigen Kartell erschossen wird. Obwohl Witherspoon und Vergara für die Erhöhung der Frauenquote im Mafia-Genre sorgen, ist der Film noch lange nicht politisch korrekt. Im Gegenteil!

Denn die beiden bewegen sich als wandelnde Blondinen-Witze durch die dünne Handlung. Und auf diesem Niveau bewegen sich auch die Dialog-Pointen, gendergerecht entschärft, weil sie von Blondinen erzählt werden. In einer Szene will das weibliche Duo die Verfolger überreden, sie auf die Toilette zu lassen. Um die Dringlichkeit deutlich zu machen, halten sie einen Vortrag über Menstruations-Blutungen, worauf die Killer der Ohnmacht nahe sind. Allzu oft aber strapaziert die Regisseurin (Anne Fletcher) Gags über Körpergröße, Aussehen und Alter ihrer Stars.

Zugegeben: Man lacht in diesem Film. Meist unter dem Niveau, das man sich selbst gerne zugestehen möchte. Aber warum sollen sich Frauen im Kino nicht "dumm und dümmer" geben, als sie sind – wenn auch Männer diesbezüglich keinen Genierer haben.

(Text: Gabriele Flossmann)

INFO: "Miss Bodyguard". Actionkomödie. USA 2015. 87 Min. Von Anne Fletcher . Mit Sofía Vergara, Reese Witherspoon.

KURIER-Wertung:

Mit dem Klavier in der Sandkiste

Sonne, Sand, Surfen und "Good Vibrations" – davon sangen die "Beach Boys", die wie kaum eine Band den Sound der 60er-Jahre prägten. Das musikalische Herz der Band bildete Brian Wilson, der Mitte der 60er das legendäre Album "Pet Sound" vorlegte.

Wenn Paul Dano am Klavier in der Sandkiste sitzt und "God Only Knows" anstimmt, glaubt man tatsächlich, Wilson vor sich zu sehen. Dano verkörpert den jungen, in Psychose fallenden "Beach Boy" mit sensationeller Übereinstimmung und großer, musikalischer Einfühlung. John Cusack übernimmt die Wilson-Rolle für dessen Lebensphase in den 80er-Jahren: Zu diesem Zeitpunkt ist er schwer von Medikamenten abhängig und unter dem Einfluss eines manipulativen Therapeuten namens Doktor Landy. Auch Cusacks Spiel ist fein ziseliert und von höchster Konzentration – auch wenn dieser Teil der Geschichte weniger überzeugend gebaut ist.

Insgesamt aber gelingt Regisseur Bill Pohlad mit seinem eklektischen Bio-Pic ein Meisterstück – und gerade die im Originalstudio eingespielten Musikaufnahmen sind fantastisch.

INFO: "Love & Mercy". Biopic. USA 2015. 121 Min. Von Bill Pohlad. Mit Paul Dano, John Cusack, Elizabeth Banks.

KURIER-Wertung:

Jedes Bundesland hat seine Leichen

Jedes Bundesland hat seine Toten: 2013 präsentierte Wolfgang Murnberger "Steirerblut", danach folgte der Niederösterreich-Landkrimi "Die Frau mit einem Schuh" des im letzten Jahr verstorbenen Regisseurs Michael Glawogger. Dieses Jahr gab es gleich zwei Landkrimi-Premieren: In Barbara Eders "Kreuz des Südens" verschlägt es Andreas Lust als Polizist ins Südburgenland. Andreas Prochaska ("Das finstere Tal") wiederum knöpft sich Kärnten vor und gönnte sich mit "Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist" eine beißende Provinz-Satire. Erneut beweist sich Prochaska als blendender Genre-Stilist mit spritzigen Inszenierungsideen und einfallsreicher Bildgestaltung.

Gleich zu Beginn wird das vermeintliche Idyll einer Kärntner Dorfgemeinschaft durch das Auffinden einer Mädchenleiche gestört. Dorfpolizist Muck muss die Sache "beamtshandeln" – und erhält Hilfe von einem scharfzüngigen Klagenfurter Chefinspektor. Der prangert den "Marktgemeinderassimus" der Dörfler an und bringt den netten Muck in argen Zwiespalt. Sogenannte Freunde entlarven sich als faschistoide Schläger und ein nackter Hintern mit Stern-Tattoo verrät sich beim "Oberkärntner FKK-Treffen".

"Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist" leidet letztlich an seiner überspannten Krimi-Handlung. Trotzdem bleibt er bis zuletzt sehr ansehnlich.

KURIER-Wertung:

INFO: Andreas Prochaskas Land-Krimi aus Kärnten startet vorerst nur eben dort, in der Steiermark und Osttirol.

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