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79. Filmfestspiele Cannes: Goldene Palme für Christian Mungiu

Goldene Palme geht an den Rumänen Christian Mungiu für „Fjord“, Sandra Wollner gewinnt mit „Everytime“ in der Sektion „Un Certain Regard“ mit Birgit Minichmayr; „Gentle Monster“ von Marie Kreutzer geht leer aus.
Ein Mann im schwarzen Anzug hält eine goldene Palme-Trophäe in einer offenen Schatulle in den Händen.

Einmal ist nicht genug: Der rumänische Regisseur Christian Mungiu erhielt zum zweiten Mal die Goldene Palme in Cannes. Sein packendes Sozialdrama „Fjord“ konnte sich gegen die 21 anderen Filme – darunter Marie Kreutzers „Gentle Monster“ – im Hauptwettbewerb von Cannes durchsetzen.

Bereits 2007 hatte Mungius Film „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ die Goldene Palme erhalten.

„Fjord“ besticht vor allem durch seine herausragende Besetzung: Der norwegische Schauspielstar Renate Reinsve und „Marvel“-Held Sebastian Stan spielen ein tiefreligiöses Ehepaar mit fünf Kindern, das Rumänien verlässt und sich in einer norwegischen Kleinstadt niederlässt. Zuerst heißen die Bewohner die Neuankömmlinge herzlich willkommen; doch als eines der Kinder Verletzungen aufzeigt und die Eltern unter Verdacht geraten, wendet sich das Blatt. Die Fürsorge greift ein und nimmt die Kinder weg. An dieser Stelle eröffnet Mungiu einen ideologischen Kampfschauplatz, auf dem vermeintlich progressive westliche Wertvorstellungen auf konservatives Hinterland treffen. Die Vertreter der norwegischen Institutionen erweisen sich als überheblich und herzlos, während die Unterstützer der Familie rechtskonservative Parolen brüllen.

Preise im Doppelpack

Was weitere Auszeichnungen  betrifft, tat sich die  Jury, zu der auch die Schauspielerin Demi Moore und US-Regisseurin Chloe Zhao zählten, mit ihren Entscheidungen schwer, denn es ging mit geteilten Preisen weiter.  

Den Preis für die beste Regie mussten sich gleich  drei Regisseure teilen: Das spanische Regie-Duett  Javier Calvo und Javier Ambrossi für ihr episches (Historien-)Drama über das Schicksal dreier schwuler Männer  in  „La Bola Negra“ belohnt; ebenso der polnische Oscarpreisträger Pawel Pawlikowski für sein  in herrlichem Schwarz-Weiß gedrehtes „Vaterland“ mit Sandra Hüller, die als Erika Mann   mit ihrem Vater Thomas Mann   durch das   Nachkriegsdeutschland reist. 

Sandra Wollner in Cannes.

Sandra Wollner wurde für "Everytime" ausgezeichnet.

Auch was die Darstellerauszeichnungen anbelangt, kam kein Preis allein, sondern belohnte jeweils das Zusammenspiel zweier kongenialer Partner und Partnerinnen: Die beiden Newcomer Emmanuel Macchia und Valentin Campagne wurden für ihr inniges Spiel in dem queeren Kriegsfilm des belgischen Regisseurs Lukas Dhont belohnt:  „Coward“ erzählt von einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen zwei Soldaten  in den Schützengräben  des Ersten Weltkrieges.  .

Wer noch geehrt wurde

Ganz in der Gegenwart ist  das ebenfalls glänzende Drama des Japaners Ryūsuke Hamaguchi angesiedelt: In „All of a Sudden“ erzählt er von einer Heimleiterin für an Demenz erkrankte Patienten.   Die Begegnung mit einer japanischen Theaterregisseurin vertieft ihr Verständnis von menschlicher Würde. Virginie Efira und Tao Okamoto spielen die beiden Frauen, die über  196 Minuten  in faszinierenden Gesprächen zueinanderfinden; dafür erhielten sie  die Auszeichnung als beste Darstellerinnen.

Marie Kreutzers aufwühlendes Drama „Gentle Monster“, in dem sich Léa Seydoux   als erfolgreiche Pianistin und Sängerin  mit der  Tatsache konfrontieren muss, dass ihr Mann (gespielt vom zukünftigen „Tatort“-Kommissar Laurence Rupp) wegen des Besitzes von kinderpornografischen Darstellungen angeklagt wird, ging zwar leer aus.


Österreichische Präsenz 

Trotzdem zeigt sich das heimische Filmschaffen von höchst erfolgreicher Seite.  Nach dem Rekordjahr auf der Berlinale  wurde  auch Cannes zum Schauplatz starker österreichischer Filmpräsenz.  Sandra Wollners flirrendes Drama „Everytime“ mit Birgit Minichmayr als trauernde Mutter in der Hauptrolle, zählte mit zu den besten Filmen, die im Rahmen des Festivals gezeigt wurden. „Everytime“ erhielt den höchsten Preis der   Sektion „Un Certain Regard“. 

Ganz gegen Ende des Wettbewerbs, aber keineswegs ein Schlusslicht, kam noch die österreichische Koproduktion „Das geträumte Abenteuer“ zur Ansicht: Der sich langsam  anschleichende  Sozialkrimi der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach wurde mit dem Preis der Jury belohnt. 

In Ermangelung großer US-Studiofilme war es vor allem das   internationale Autorenkino, das Festivalchef Thierry Frémaux heuer in die Auslage der Weltöffentlichkeit gestellt hatte.  Es kann sich sehen lassen. 

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