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Teil 3 von 4
06/15/2015

200 Jahre Hektiker - eine Zeitreise

Die Hektiker gehen mit dem KURIER noch einmal in die Schule – dorthin, wo sie vor 34 Jahren bei Schulauftritten ihre ersten Bühnenerfahrungen gemacht haben. Teil 3: Wallensteins Lager.

von Guido Tartarotti

Wir spazieren vom Schrannenbeisl den Mödlingbach entlang zu dem Ort, wo alles anfing – zum Gymnasium Keimgasse. Die Schule hat einige bekannte Namen hervorgebracht: Die Hektiker, Stefan Vladar, den Verfassungsrechtler Heinz Mayer, den Kabarettisten Andreas Steppan, den ersten österreichischen Raumfahrer Franz Viehböck. Vor mehr als 100 Jahren besuchte der spätere Dramatiker Franz Theodor Csokor die Schule.

Pissecker: „Und natürlich dürfen wir den Spindelegger nicht vergessen...“
Scheuba: „Es war ein gutes Klima, damals. Es gab auch eine großartige Schülerzeitung, die hieß ,Oink‘.“ Pissecker: „Ich hab ja nie gern gelernt, aber ich bin gern in die Schule gegangen. Der Schmäh ist g’rennt, es gab ständig Partys. Und jeder, der Triangel spielen konnte, war in einer Band.“ (Auch die späteren Hektiker waren in einer, sie hieß Evidence). Sobotka: „Ich hab immer gesagt, die Stunden sind unnötig, aber die Pausen sind super.“ Pissecker: „Als einer unser Schulkollegen von seinem Vater eine Watschen gekriegt hat, haben wir gleich ein Anti-Gewaltfest im Kursalon organisiert. So war das damals.“

Wallensteins Lager

Auch bei den Schülerakademien ging es anarchisch zu. Sobotka: „Der damalige Direktor Lothar Preiß sagte bei den Eröffnungen der Schüler-Akademien immer den Satz ,Neben ernster Unterrichtsarbeit ist auch Zeit für Frohsinn und Heiterkeit‘. Wir haben diesen Spruch heimlich mitgeschnitten und ein Sample draus gemacht und dann im zweiten Teil des Abends mit Hilfe der Band live verarbeitet. Dabei sind wir immer atonaler geworden, bis sie schließlich den Vorhang heruntergelassen haben.“

Bis heute legendär ist auch eine andere Spaß-Aktion auf der Schüler-Akademie: Die späteren Hektiker kündigten etwas an, das so klang, als wollten sie eine Schiller-Szene spielen. Scheuba: „Auf dem Programm stand ,Wallensteins Lager, Szene: Am Vorabend des Aufbruchs‘. Wir sind in einem Zelt auf der Bühne gesessen, das wiederum in einem Planschbecken stand.“ Sobotka: „Und vor dem Zelt saß die Fotografin der NÖN und hat gewartet, dass etwas passiert. Aber es passierte nichts. Das war ja unser Plan.“ Scheuba: „Minutenlang war absolute Stille. Aber blöderweise hatten wir uns vorher nicht überlegt, wie wir da wieder rauskommen. Irgendwann sagten wir dann: So, jetzt ist Aufbruch, und sind aus dem Zelt raus und von der Bühne.“ Pissecker: „Aufs Publikum wirkte das eher verstörend … aber so waren wir immer.“

Später griffen die Hektiker auf dieses anarchische Repertoire zurück. Etwa beim Auftritt zur Feier ihres fünfjährigen Bestehens im Metropol. Sobotka: „Wir haben eine Art avantgardistischen Flashmob gemacht. Wir haben vorher dazu aufgerufen, verkleidet oder ganz nackt auf die Bühne zu kommen, dazu haben wir eine Polsterschlacht veranstaltet und gesungen: Valossn, valossn, valossn bin i. Ein Happening!“ Scheuba: „Avantgarde! Und das ging dann über in das Lied ,Oingo Boingo, I Love Little Girls‘.“ Sobotka: „Und wir haben die meisten Leute auf der Bühne gar nicht gekannt.“

Als der große Erfolg da war, hatten sie ihre eigeneARD-Sendung, trafen Gina Lollobrigida, wurden zu einem Auftritt mit Peter Kraus, den Zillertaler Schürzenjägern und Udo Jürgens mit dem Privatjet nach Zürich geflogen.

Und Thomas Gottschalk lud sie in seine Talkshow ein. Scheuba: „Wir spielten eine sehr bekannte Nummer von uns – ,Wiener Fremdenfreunde‘, Werners Paraderolle.“ Sobotka: „Gottschalk hat dem Publikum zwei Minuten lang erklärt – ,Liebe Leute, das ist eine Parodie, das sind Österreicher, die haben ein anderes Humorverständnis…‘.“

Publikum: drei Hunde

Einer ihrer schönsten Auftritte, da sind sie sich einig, war beim Humorfestival in Arosa. Sobotka: „Da konnten die Leute nur mit dem Ratrac hinauf – oder mit dem Hubschrauber.“ Pissecker: „Und wir haben nicht kapiert, dass das auf dem Gletscher ist und standen mit den Holzkoffern und angezogen wie die Yuppies im Schnee. Dann ging uns ein Mikro ein und sie ließen mit dem Hubschrauber ein neues einfliegen.“

Fast ebenso schön, jedenfalls in anekdotischer Rückschau: Ihr kleinster Auftritt. Das Publikum: drei Hunde. „Das war ein Grätzelfest im sechsten Bezirk vor dem Hotel Ibis“, erinnert sich Sobotka. „Wir waren vielleicht 17, 18 Jahre alt.“ Pissecker: „Da war ein irrsinniger Sturm…“ Scheuba: „…und Hagel.“ Sobotka: „Ein wahnsinniges Unwetter. Und es gab nur eine Miniaturbühne draußen, man musste durch ein Fenster aus dem Hotel auf die Bühne kraxeln.“ Scheuba: „ Kein Mensch war da, also haben wir gesagt, wir treten nicht auf.“ Sobotka: „Aber da hieß es, Geld gibt es nur, wenn wir spielen. Also sind wir aufgetreten, im Regen, und unten waren drei Hunde und haben uns zugehört.“

Ihr größter Auftritt war auf dem Heldenplatz, beim Lichtermeer gegen Ausländerfeindlichkeit. Sobotka: „Das war beeindruckend. Es waren so viele Leute, das Lachen kam erst zwei Sätze später nach der Pointe.

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