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Teil 2 von 4
06/15/2015

200 Jahre Hektiker - eine Zeitreise

Die Hektiker gehen mit dem KURIER noch einmal in die Schule – dorthin, wo sie vor 34 Jahren bei Schulauftritten ihre ersten Bühnenerfahrungen gemacht haben. Teil 2: Lustiger Hut und ein Ei.

von Guido Tartarotti

Lustiger Hut und ein Ei

Der erste „richtige“ Auftritt der Theater-Kabarett-Gruppe Mödling außerhalb des Schul-Biotops war am 21. Oktober 1981, da waren sie alle um die 16 Jahre alt. Sobotka: „Wir wollten gerne auftreten, und der Fifi, Gschaftlhuber schon damals, hat gesagt: Ich ruf wo an.“ Das „wo“ entpuppte sich als Jugendzentrum Rudolfsheim-Fünfhaus. Sobotka: „Und wir haben gesagt, hey, wir sind eine lustige Kabarettgruppe und machen so lustige Sachen, können wir bei euch auftreten? Die haben gesagt: Uns ist‘s wurscht, bei uns ist eh nix los, ja kommt’s halt, ihr kriegt’s 1500 Schilling für alle. Also sind wir in der Ente vom Mini Bydlinski dorthin gefahren, da waren geschätze elf Leute. Und das erste, was wir vom Publikum zu hören bekamen, war: Du woame Sau. Das hat aber nicht mir gegolten, sondern dem Fifi.“

Der Auftritt begann mit dem Sketch „Der Stumme im Wohnungsbüro“. Sobotka: „In diesem Sketch hat ein Ei eine wichtige Rolle als Requisit gespielt. Und der Fifi hat dieses Ei in der Garderobe vergessen. Also ist er mitten im Sketch abgegangen, ich bin allein auf derBühnegesessen mit den elf Zuschauern, der Fifi kommt zurück und richtet sich das Hosentürl, so, als hätte er aufs Klo müssen. In Wirklichkeit hat er das Ei geholt. Und am Ende des Auftritts waren dann statt elf Leuten 25 im Publikum. Und die haben gesagt: Dürfen wir uns euren lustigen Hut aufsetzen? Von ,Woame Sau‘ bis ,Dürfen wir uns euren Hut aufsetzen‘ innerhalb einer Show – das nenne ich eine Entwicklung.“

Das „Programm“ – in Wahrheit eine Ansammlung aus gefladerten Nummern, Improvisation und vielen bunten Kostümen – hieß „Hektische Zeiten“, sie spielten es bis knapp vor der Matura. Es wurde die Basis für den neuen Namen Die Hektiker.

Sobotka: „Wir waren damals noch zu sechst, mit dem Andreas Reismann und unserem Techniker, den wir zu kleinen Rollen gezwungen haben. Und da hat der Veranstalter dann gesagt: Ich zahl euch statt 1500 gleich 1800 Schilling, das kann man besser durch sechs teilen.“

Scheuba: „1983, genau zwischen schriftlicher und mündlicher Matura, hatte unser zweites Programm ,Harmonische Zeiten‘ dann hier, am Mödlinger Schrannenplatz, im Gewerbesaal, Premiere. Wir hatten damals eine Parodie auf dieORF-Jugendsendung ,Okay‘ und fanden, es wäre doch schön, wenn die Originale sich selber spielen. Und tatsächlich sind sowohl Vera Russwurm als auch Helmut Frodl gekommen.“ Sobotka: „Es gibt ein Foto von der Premiere, da sind wir drauf mit meinem Vater, der Edith Klinger, der Russwurm, dem Falco, dem Helmut Frodl und der Erne Seder. Alle auf einem Foto.“ Pissecker: „Der Frodl ist ja dann am berühmtesten geworden im weiteren Verlauf seiner Karriere.“ (Der ehemalige Moderator wurde später einer der bekanntesten Mörder in der österreichischen Kriminalgeschichte – „zerfrodln“ wurde zum Synonym für: Jemanden zerstückeln. In Haft studierte er Theologie, seinen Doktor machte er mit Auszeichnung.)
Für ihr zweites Programm „Harmonische Zeiten“ mieteten die Hektiker dann in einer Mischung aus Naivität und Größenwahn gleich für einige Wochen das Theater Auersperg in Wien an. Sobotka: „Unsere Eltern mussten für uns die Haftungen unterschreiben, weil wir so jung waren.“ Pissecker: „Und es wollten so viele Leute hinein, dass wir uns vom Lokal daneben zusätzliche Sessel ausgeborgt haben.“ Sobotka: „Das war aber feuerpolizeilich nicht erlaubt, also haben die vom Theater hinten die Sesseln wieder rausgetragen und wir haben sie vorne wieder reingetragen.“ Scheuba: „Im Auersperg haben wir schließlich drei Programme gespielt, dann sind wir ins Theater Center Forum in der Porzellangasse gewechselt, auch ein legendärer Ort.“

Kein Hustinettenbär

Die vier jungen Kabarettisten haben übrigens, wie sie sich genau erinnern, keine Sekunde am Erfolg dieser gewagten Unternehmung gezweifelt. Scheuba: „Wir waren uns sicher, wenn wir spielen, dann müssen die Leute einfach kommen.“ Sobotka: „Wir besaßen die Frechheit, die Leute während des Auftritts zu überreden, dass es ihnen gefällt.“ Diese Frechheit sah zum Beispiel so aus: Mitten im Auftritt ging der Vorhang zu und es war für lange Minuten nur Klaviermusik vom Band zu hören (eingespielt vom damals noch unbekannten, heute weltberühmten Pianisten Stefan Vladar, ebenfalls ein Schüler des Gymnasiums Keimgasse). Sobotka: „Als Zuschauer hat man sich gedacht, wenn da hinter dem Vorhang nicht mindestens ein goldener Panzer ist und ein Hektiker verkleidet als Hustinettenbär, dann bin ich beleidigt. Und dann ist der Vorhang wieder aufgegangen und der Sessel ist statt rechts links gestanden und wir hatten andere Sakkos an.“ Aber mit diesen Frechheiten kamen sie durch. Auch die Qualität des Spielens hatte, vorsichtig formuliert, noch Potenzial. Sobotka: „Mein Vater ist zwei Mal bei der Premiere raus gegangen, weil es ihm so peinlich war – das hat er mir aber erst Jahre später erzählt.“
Auch Fifi Pissecker hat einen prominenten Vater, den preisgekrönten Fernsehjournalisten und Autor Walter Pissecker. Sein Sohn erinnert sich: „Mein Vater hat nie geglaubt, dass ich es als Schauspieler schaffe… Ich habe ihm gesagt, ich höre mit der Schule auf. Mein Vater hat gesagt: ok. Aber er hat auch gesagt, ich muss erst eine Lehre machen, bevor ich Schauspieler werden darf. Nach der Premiere im Auersperg hab ich ihn gefragt: Und Papa, was sagst? Und er hat gesagt: ,Ein bunter Abend...‘ Und ich war so gekränkt ... Dabei war das eh schon ein Kompliment. Den Beweis konnte ich ihm letztlich nicht antreten, weil er vor genau 30 Jahren gestorben ist – gerade, als uns Hans-Peter Heinzl ins k.u.k.-Theater holen wollte. Dieser Platz ist leer geblieben.“

Viele Jahre später hat er der Erinnerung an seinen Vater sein erstes Soloprogramm gewidmet, das von seinen Erfahrungen auf dem Jakobsweg erzählt.

Bald nach ihren ersten Erfolgen bekamen die Hektiker auch erstmals rechtliche Probleme. Anlass: Eine Parodie auf Falcos „Jeanny“, auf dem Plattencover war Pisseckers 85-jährige Oma Hermine abgebildet. Falcos Plattenfirmenchef Markus Spiegel – der später selbst Hektiker-Produzent wurde - bestand darauf, die Platte „zerschießen“, also die Pressvorlage vernichten zu lassen. Sobotka: „Wir hatten das Lied einfach genommen, ohne zu fragen.“

Aufgrund dieser Erfahrungen beschlossen die Hektiker, sich einen Manager zu nehmen. Und sie wollten natürlich den, der damals als der beste galt: Rainhard Fendrichs Manager Herbert Fechter. Sobotka: „Seine Antwort war, da geht er lieber mit seinem Buam Tennisspielen. 1990, wir spielten gerade das Programm ,Nackt‘ und der Hektiker-Hype war voll am Laufen, hat er dann gefragt, ob er uns managen darf. Das war eine Genugtuung.“

Ob die Partnerschaft mit Fechter eine gute Idee war, darüber sind sich die Hektiker heute nicht einig. Sobotka: „Wir haben durch ihn gutes Geld verdient.“ Pissecker: „Er mit uns auch.“ Scheuba: „Wer wie viel Geld verdient hat, das erscheint mir schon hinterfragenswert.“ Sobotka: „Dann kam die Fendrich-Steuergeschichte, und wir waren – hui! – weg.“

Unbestritten bleibt, dass Fechter die Karriere der Gruppe vorantrieb.

Sobotka: „Damals haben immer alle Veranstalter den Fendrich wollen. Und er hat gesagt, dann müsst ihr die Hektiker auch nehmen. Ein paar Jahre später wollten die alle die Hektiker, da hat er gesagt: Dann müsst ihr den DJ Ötzi auch nehmen…“ Pissecker: „Der Herbert hatte schon Ideen – etwa, dass wir zu Silvester im Konzertaus spielen. Dass dann dort gleich am Anfang einer kollabiert, konnte ja niemand ahnen.“ Sobotka: „Und einer von der Brüstung speibt.“ Scheuba: „Von unserem ersten Tonträger haben wir damals 75.000 Stück verkauft – damit wären wir heute Weltmeister.“ Sobotka: „Dass man mit einer Kabarett-CD Nummer eins der Hitparade wird und Guns N’ Roses sind nur zweite … Wahnsinn!“

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