Florian Scheuba, Werner Sobotka und Wolfgang Fifi Pissecker in ihrer alten Schule, dem Gymnasium Keimgasse in Mödling – dort, wo für die späteren Kabarettstars vor mehr als 30 Jahren die Karriere begann.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Teil 1 von 4
06/15/2015

200 Jahre Hektiker - eine Zeitreise

Die Hektiker gehen mit dem KURIER noch einmal in die Schule – dorthin, wo sie vor 34 Jahren bei Schulauftritten ihre ersten Bühnenerfahrungen gemacht haben. Teil 1: Mafia-Krieg in Mödling.

von Guido Tartarotti

Anfang der achtziger Jahre formierte sich in Mödling eine ziemlich auffällige Truppe, die sich zunächst „Theater-Kabarett-Gruppe Mödling“ nannte – und später unter dem Namen Die Hektiker das erfolgreichste Kleinkunst-Ensemble Österreichs wurde. 2015 werden alle derzeitigen Mitglieder der Gruppe – Florian Scheuba, Wolfgang Fifi Pissecker, Werner Sobotka und Viktor Gernot – 50 Jahre alt, weswegen die Gruppe heuer „200 Jahre Hektiker“ feiert. Grund genug, mit den drei Mödlinger Hektikern Sobotka, Scheuba und Pissecker eine Zeitreise dorthin zu unternehmen, wo alles begann: Ans Gymnasium Franz-Keim-Gasse in Mödling.

Übrigens: Nächstes Jahr – 35 Jahre nach ihrem ersten offiziellen Auftritt – kehren die Hektiker nach einer längeren Pause wieder als Gruppe auf die Bühne zurück. Geplant ist kein neues Programm, sondern ein entspannter Abend, bei dem die vier einander Anekdoten, Geschichten und Pointen zuspielen, altes Bildmaterial sichten, Texte improvisieren und spontan in alte Szenen einsteigen. Im März 2016 soll Premiere sein, es wird aber nur eine wenige Abende geben.

Anlauf für Schulschwänzer

Treffpunkt ist um elf Uhr vor dem Schrannenbeisl, einem beliebten Lokal in Mödling – schon vor 35 Jahren eine Anlaufstelle für Schulschwänzer. Hier hat Werner Sobotka einmal, wie er später erzählen wird, ein entwendetes Klassenbuch verschwinden lassen, indem er es zwischen Wand und Sitzverbau schob, wo es vermutlich heute noch liegt

Der KURIER-Fotograf ist pünktlich, der KURIER-Reporter kommt ein winziges bisschen zu spät, Wolfgang Fifi Pissecker ein kleines bisschen, Werner Sobotka ein nicht ganz so kleines bisschen und Florian Scheuba ein unkleines bisschen. Sobotka hat sich auf dem Weg verlaufen, Scheuba ist von der Parkplatzsituation des Jahres 1983 ausgegangen.

Fifi Pissecker entschuldigt die Kollegen: „Wir waren seit 1997 nicht mehr gemeinsam hier.“ Scheuba: „Ja, damals haben wir in unserer alten Schule das Video für unsere Take-That-Parodie „Ich scheiß dir ins Hirn“ gedreht, für unsere ORF-Serie ,Die kranken Schwestern‘.“

Scheuba schaut sich erstaunt in der Mödlinger Fußgängerzone um: „Da ist ja einiges neu hier, ich erkenne es gar nicht mehr. Ziemlich bobofiziert, all diese Marktstandln…“ Sobotka: „Und der schöne Brunnen wurde versetzt, der, wo man nach der Matura das Waschmittel reingeschüttet hat…“ Pissecker: „Da hinten, das Standesamt!“ Das ist übrigens das beliebteste Standesamt Österreichs… Pissecker: „Dabei hat Mödling die höchste Scheidungsrate in Österreich.“

Mafia-Krieg in Mödling

Standesamt – das Stichwort für eine berühmt-berüchtigte Anekdote aus der Hektiker-Vorzeit. Scheuba: „Ich seh den Stefan Germany noch vor mir. Könnt ihr euch erinnern? Er schießt bei unserer Mafia-Aktion vom Standesamt auf Passanten.“ Die späteren Hektiker waren damals 14 Jahre alt. Pissecker: „Da haben wir gesagt – organisieren wir eine Mafia-Schießerei.“ Was man halt so macht, wenn es Sommer ist und das Leben grad sehr langweilig.

Scheuba: „Wir haben 40 Leute organisiert, aufgeteilt in zwei Gruppen, rote Nelken und weiße Nelken als Abzeichen.“ Pissecker: „Und alle in schwarzen Anzügen.“ Scheuba: „Und bewaffnet mit Spielzeugpistolen. Der Fifi hat die weißen Nelken angeführt und ich die roten Nelken, und dann ist es losgegangen. Die Passanten haben das zum Teil ernst genommen. Und dann hatten wir die Schlagzeile der nächsten Mödlinger Zeitung: ,Mafia-Krieg in Mödling‘.“
Ihre ersten Auftritte – abgesehen von practical jokes in der Mödlinger Fußgängerzone – hatten die künftigen Hektiker bei der Schülerakademie des Gymnasiums Keimgasse. Bei dieser Veranstaltung, die es heute noch gibt, können Schüler Bühnenerfahrung sammeln – mit Sketches, Musik oder Turn-Einlagen. Eine sehr kleine „Große Chance“, sozusagen.

Sobotka: „Ich habe bei der Akademie meine erste Rolle gespielt, den Buchbindermeister Wanninger von Karl Valentin. Flo war in der Parallelklasse, eine ganz andere Gruppe, und hat mit dem Fifi auch bald an den Akademien teilgenommen. Da waren wir natürlich noch nicht Die Hektiker, noch nicht einmal die Theater-Kabarett-Gruppe Mödling.“ Tatsächlich, so hießen die Hektiker bei ihrem ersten Programm. Sobotka: „Ein sehr kreativer und origineller Name, wie ich finde.“

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