© Crossing Europe

Filmfestival
04/25/2014

11. Crossing Europe in Linz eröffnet

Bis kommenden Mittwoch sind beim Internationalen Filmfestival in Linz 184 Filme zu sehen.

Die elfte Ausgabe des Filmfestivals Crossing Europe ist Freitagabend in Linz im Zeichen des gemeinschaftlichen Agierens eröffnet worden. Gerade in Zeiten der EU-Skepsis müsse aufgezeigt werden, dass ein vernetztes Arbeiten über die nationalen Grenzen hinweg in der Branche selbstverständlich geworden sei, betonte Intendantin Christine Dollhofer. Insgesamt 184 Filme werden bis Mittwoch gezeigt.

Die Künstler würden den Dialog, auch bei belasteten Nachbarschaftsverhältnissen, praktizieren und befördern, erklärte Dollhofer in ihrer Ansprache. Crossing Europe versammle Geschichten, Regionen und künstlerische Positionen des gesamten Kontinents aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. "Zum Beispiel aus Sicht derer, die draußen sind und Europa als unüberwindbare Festung oder idealisierten Sehnsuchtsort definieren, oder jener, die zwar drinnen leben und trotzdem Krisen und Herausforderungen meistern müssen." Migration, Prekarisierung, Identitätssuche, gesellschaftspolitische Umwälzungen und emanzipatorische Bewegungen seien nur einige der Themen, die sich wie ein roter Faden durch das Programm ziehen, so die Festivalleiterin.

Sie bedankte sich bei den in- und ausländischen Geldgebern: "Ohne eine solide Basisfinanzierung wäre auch eine europäische Förderung nicht denkbar", sagte Dollhofer mit Verweis auf Bund, Land und Stadt sowie Österreichisches Filminstitut. Crossing Europe verfügt heuer über ein Budget von etwas mehr als 500.000 Euro.

Johansson-Film zur Eröffnung

Zum Auftakt des Filmfestival werden u.a. die Dokus "Double Happiness" über einen schrägen Kulturtransfer zwischen Hallstatt und China sowie "In & Out" über die Linzer HipHopper Texta als Uraufführungen sowie der neue Scarlett-Johansson-Film "Under The Skin" und Valeria Bruni Tedeschis "Ein Schloss in Italien" (siehe Interview unten) gezeigt. Heuer winken Preisgelder von gesamt 31.000 Euro.

Bei der elften Festivalausgabe gibt sich Horror-Regielegende Dario Argento, Vertreter des italienischen Subgenres Giallo, ein Stelldichein. Im Gepäck hat er "Dracula 3D", eine trashige B-Movie-Adaption des Bram-Stoker-Klassikers. Unter dem Titel "Focus On: Music" macht Crossing Europe das europäische Musikvideoschaffen zu einem Schwerpunkt. Das Tribute ist der britischen Regisseurin Joanna Hogg gewidmet, zu sehen ist u.a. "Caprice", in dem Tilda Swinton ihre erste Filmrolle hatte.

INFO: Crossing Europe Filmfestival Linz, bis 30. April 2014; www.crossingEurope.at

Familienaufstellung mit Valeria Bruni Tedeschi

Valeria Bruni Tedeschi hat wieder einen Familienfilm gedreht. Mit sich selbst in der Hauptrolle. Und wieder darf man ihr beim Interview keine Fragen zu ihrer eigenen Familie stellen.

Warum auch? Die offensichtlichen Parallelen zwischen "Ein Schloss in Italien" – einer der vier starken Eröffnungsfilme von "Crossing Europe" (siehe Info unten) – zu ihrem wirklichen Leben liegen auf der Hand: Vor knapp acht Jahren starb Valeria Bruni Tedeschis Bruder an AIDS – wie auch der Filmbruder der Hauptfigur Louise, die von ihr selbst gespielt wird.

Den um vieles jüngeren Mann, in den sie sich im Verlauf der Geschichte verliebt, übernahm Louis Garrel, ihr Ex-Lebenspartner. Und die Rolle der starken Mutter spielte Marisa Borini – Bruni Tedeschis echte Mutter. Nur ihre berühmte Halbschwester, Carla Bruni-Sarkozy, fehlt in der Familienaufstellung von "Ein Schloss in Italien" (Filmstart: 9. Mai).

"Wir haben drei Jahre an dem Drehbuch gearbeitet", erzählt die 49-jährige Schauspielerin und Regisseurin im KURIER-Interview mit ihrer signifikanten, leicht heiseren Stimme. Und meint mit "wir" ihre beiden Co-Autorinnen Noémie Lvovsky und Agnès de Sacy: "Wir haben gemeinsam unsere Erfahrungen, Wünsche und Fantasien hineingepackt. Es ist ein persönlicher, aber kein autobiografischer Film."

Wie auch in ihrem Filmdebüt "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr" (2003) erzählt die Regisseurin vom Schicksal einer italienisch-französischen Industriellenfamilie und von deren Beziehungskonflikten.

Burleske

Im Zentrum steht Louise, die mit 42 Jahren Probleme mit dem Erwachsenwerden hat. Nach dem Tod des Vaters soll der Besitz der Familie verkauft werden, um diese finanziell flott zu machen.

"Tschechovs ,Der Kirschgarten‘ war ein großer Einfluss auf mich", erzählt Bruni Tedeschi, bekennt sich aber auch zu Einflüssen von Charlie Chaplin: "Wir hatten Lust auf Tragikomödie. Wir haben uns weder vor Komödie, Tragödie, Nostalgie oder dem Burlesken gefürchtet."

Tatsächlich ist "Ein Schloss in Italien" ebenso von melancholischen Untertönen geprägt wie von herrlich komödiantischen Einlagen. So fällt etwa Louise in einer Kirche ein, um sich einen Fruchtbarkeitssegen von Nonnen zu erschleichen.

Ihrer Mutter zuliebe engagierte sie übrigens auch Omar Sharif. Eines Tages habe Marisa Borini sie angerufen und ihr vorgeschwärmt, sie hätte Omar Sharif in einem Restaurant gesehen: "Sie war so begeistert und erzählte von ,Doktor Schiwago‘, sodass ich ihn anrief und fragte, ob er mitspielen wollte. Ich dachte, vielleicht funkt es ja zwischen den beiden."

Und wirklich erklärte sich Omar Sharif zu einem Auftritt bereit: "Doch verliebt haben sich meine Mutter und er nicht ineinander."

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