Kolumnen
06.01.2019

Zur Ablenkung Tore statt Granaten

Der Asien-Cup ist nicht nur sportlich, sondern auch politisch brisant - mit Konfliktländern und Beiträgen aus Österreich.

Syrien gegen Palästina. Diesem nahöstlichen Match am christlichen Dreikönigstag wird in Ländern entgegengefiebert, von denen man meinen möchte, dass die Menschen dort andere Sorgen haben. Aber Fußball dient als Ablenkung von Angst und Elend. Zudem handelt’s sich bei SyrienPalästina nicht um irgendeinen Test, sondern um den Auftakt in Gruppe B des Asien-Cups. Ein Turnier mit Bedeutung wie in unseren Breiten die EM.

Das Streben nach einem eigenen Staat bleibt den Palästinensern unerfüllt. Umso mehr stärkt die Teilnahme am Asien-Cup ihr Ehrgefühl. Mit geballter Faust und der Hand auf dem Herzen posierten Fußballer siegessicher für Plakate vor dem Felsendom in Jerusalems Altstadt. In Wahrheit geht’s – makaber formuliert – darum, nicht schon in der Vorrunde Kanonenfutter zu sein.

Zu den Favoriten zählen auch Assads regimetreue Kicker und Jemen nicht. Vielmehr haben Japan (mit Salzburgs Minamino), die wuchtigen Australier (mit dem Austrianer Jeggo) und Südkorea die seriösesten Chancen auf den Pokal. Mit dem Nordkoreaner Pak (St. Pölten) und Stephan Palla wirken auch zwei frühere vom heutigen Rapid-Trainer Didi Kühbauer geschätzte Schützlinge mit. Palla, Sohn des Mauerbacher Platzwarts, verstärkt die Philippinen, die Englands ehemaliger schwedischer Teamchef Sven-Göran Eriksson coacht. Italiens Weltmeister-Macher Marcello Lippi lässt sich sein Teamchefamt in China fürstlich honorieren.

Einen ähnlich hohen Bekanntheitsgrad im asiatischen Fußballraum genoss, auch wenn’s in seiner Heimat kaum wer glaubte, der Niederösterreicher Alfred Riedl. Der einstige Austria- und belgische Schützenkönig erlangte als Trainer Kultstatus in Vietnam. Die Niere, die ihm ein vietnamesischer Fan spendete, ist auch zwölf Jahre danach intakt. Riedl war auch Teamchef in Palästina. Sportchef des Iran. Und ins größte muslimische Land (264 Millionen Einwohner) holten ihn reiche Indonesier gleich vier Mal zurück.

Für den Asia Cup hat ihn der TV-Riese Fox Sports Asia als Promi-Analytiker engagiert. Riedl kommentiert auf Englisch aus 5850 Kilometern Entfernung in Singapur. Denn die von 8 auf 24 Teilnehmer aufgeblähte Asien-Endrunde (Riedl: „Viel zu viel“) wird in den Emiraten ausgetragen. Am Arabischen Golf, wo es prächtige Stadien (Dubai, Abu Dhabi, al-Ain), aber kaum Zuseher gibt. Wo soeben die Klub-WM (Sieger Real) stattfand. Und wo 2022 (beim politischen Intimfeind der Saudis) in Katar die WM mit gar 48 Nationen über die FIFA-Protzbühne gehen soll.

Riedl will für Fox nur über Sport reden. Was spätestens am 17. Jänner schwerfallen wird, wenn Saudis und die von ihnen geächteten Katarer aufeinanderprallen.