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Kolumnen
12/16/2019

Zeitloser Dezember

Über vorweihnachtliche Kindheitserinnerungen und die verschiedenen Gefühlszustände in den 24 Tagen vor dem Heiligen Abend.

von Anna-Maria Bauer

Zu wissen, welcher Tag im Dezember gerade ist, fällt als Kind leicht. Schließlich öffnet man morgens das entsprechende Türchen im Adventkalender. Als Erwachsener (ohne Kinder, die wieder Adventkalender ins Haus bringen) gibt es aber eigentlich auch Anhaltspunkte.

Zum Beispiel erkennt man die ersten Dezembertage daran, dass man von den Weihnachtsliedern, die durch die Lautsprecher der Cafés und Geschäfte der Stadt schallen, noch ganz ergriffen ist, weil man sie gerade erst wieder zu hören begonnen hat.

Etwas vorangeschritten ist der Dezember, wenn einen die Panik überfällt, weil man die freien Abende bis zum Heiligen Abend gezählt hat und es genau keine gibt und man nicht weiß, wann man die restlichen Geschenke besorgen soll. Noch dazu, da man sich vorgenommen hat, weniger online zu bestellen. Nachhaltigkeit und so.

Und Mitte Dezember ist es dann, wenn man des Nachts am Weg nach Hause von der Firmenweihnachtsfeier vergeblich auf ein Taxi wartet, weil ganz Wien gerade auf Firmenweihnachtsfeier war und nun versucht, ein Taxi zu ergattern.

Bei unserer Firmenweihnachtsfeier hat es diesmal zum Dessert unter anderem Bratäpfel gegeben und die haben so geduftet, dass der Hauptsaal, auch Stunden nachdem das Dessert verschwunden war, noch danach roch. (Vielleicht hatten die Veranstalter aber auch einfach einen Bratapfel-Raumspray. )

Bratäpfel habe ich das letzte Mal gegessen, als ich noch Türchen am Adventkalender öffnete und der Advent so lang war wie zwei ganze Jahre. Schon der Heilige Abend dauerte ja ein Jahr. Ich wurde morgens mit meiner Schwester zu meinen Großeltern gebracht; dann spielten wir 300 Stunden bevor es Mittagessen gab. Anschließend schauten wir noch mindestens sieben Filme (darunter immer „Das letzte Einhorn“, wobei wir beim roten Stier wegschalten mussten, weil ich mich fürchtete) bis wir endlich in die Kindermette konnten.

Ein ganzes Jahr bräuchte ich ja gar nicht, aber wenn sich der Dezember zumindest so anfühlen würde, wie ein normaler Monat, wäre schon alles gut.

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