Von Pyro, Pyromanen und Pyrrhussiegen

Wolfram Kautzky geht in seiner Kolumne "Wortklauberei" den Wörtern auf den Grund.
Wolfram Kautzky

Wolfram Kautzky

Das 3:0 von Rapid im Derby gegen die Austria wurde zum Pyrrhussieg mit einer Pyro-Niederlage“, war kürzlich im KURIER zu lesen. Dieser Satz gibt Ihrem Wortklauber gleich dreifachen Anlass zum Klauben.

Sportfans wissen, was mit einem Fußball-Derby gemeint ist (Match zwischen zwei Lokalrivalen), die Herkunft des Begriffs ist aber kaum bekannt. Die Spurensuche führt zu einem traditionellen Ballspiel in England, das seit dem Mittelalter in der Grafschaft „Derbyshire“ ausgetragen wird. Ziel des Rugby-ähnlichen Spiels ist es, mit dem Ball sein eigenes „Tor“ (ursprünglich ein Mühlstein, heute eine Steinpyramide) zu erreichen. Aus der Tatsache, dass die beiden Teams in zwei unterschiedlichen Teilen derselben Ortschaft beheimatet sind, entstand der Begriff des „Derbys“.

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Einen bekannteren Ursprung hat der Pyrrhussieg: Der griechische König Pyrrhos (lat.: Pyrrhus) hatte 280 v. Chr. bei einer gegen die Römer gewonnenen Schlacht so hohe Verluste erlitten, dass er ausgerufen haben soll: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“. Er sollte recht behalten: Der Krieg zog sich zwar noch Jahre hin, aber letztlich siegten die Römer. Kurios: Der König selbst starb durch einen Dachziegel, den ihm eine alte Frau bei einem Straßenkampf in Argos auf den Kopf warf. Noch heute steht der Pyrrhussieg für einen teuer erkauften Sieg, der letztlich einer Niederlage gleichkommt.

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Die Pyrotechnik (Herstellung und Gebrauch von Feuerwerkskörpern) hat dieselbe Wortwurzel wie der sprichwörtlich gewordene Pyrrhos: Dessen Name bedeutet „Feuerkopf“, womit auf die roten Haare des Königs angespielt wurde. Das griechische Grundwort pyr (= Feuer) steckt nicht nur in der Pyrotechnik, sondern auch im Pyromanen, der davon besessen ist, sich als Brandstifter zu betätigen. Der zweite Teil dieses Ausdrucks (manía) bedeutet „Raserei, Tollheit“ – womit wir wieder bei den Protagonisten des Eingangssatzes wären.

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Fundstück der Woche: „Kühlschrank bitte sauber verlassen!“ (Aushang in der Gemeinschaftsküche eines Campingplatzes in Bayern.) – Wer im Kühlschrank übernachtet hat, sollte also vor dem Verlassen desselben unbedingt duschen.
 

Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.

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