Kolumnen
09/20/2019

Wir Zipfelhuber

Über Stadt, Land und alles, was dazwischen liegt

von Barbara Mader

Europa hat jetzt mit der Kroatin Dubravka Suica und ihrem Ressort „Demokratie und Demographie“ eine Kommissarin, die unter anderem darüber nachdenken soll, wie sich die politische, kulturelle und wirtschaftliche Kluft zwischen Stadt und Land verringern lässt. Das mag, verglichen mit anderen politschen Herausforderungen, läppisch klingen. Tatsächlich ist es das ganz und gar nicht. Da gibt es viel zu tun.

Dass diese Kolumne auch in einem kleinen Dorf im Bregenzerwald gelesen wird, weiß ich, weil mir eben dieses Dorf nahe steht. Und ich weiß auch, wie Wien dort wahrgenommen wird. Vorsichtig gesagt: Die Dichte der „Zipfelhuber“, hier würde man „Depp“ sagen, ist angeblich sehr hoch. Als ich das erste Mal mit Wiener Kennzeichen zu Besuch war, habe ich überlegt, außerhalb zu parken. Und weil es ja bald wieder so weit ist: Jede neue Regierung wird vorrangig daran gemessen, wie viele Minister aus „dem Osten“ und „dem Westen“ sich darin finden. Tipp: Nur Letztere können gute sein!

Andererseits: Vor Kurzem berichtete eine Freundin von einem Autounfall auf einer Landstraße „im Nirgendwo zwischen Kaff 1 und Kaff 2“. Eine Stunde wartete sie auf den Abschleppwagen. 18 Autos, fünf Motorradfahrer und ein Bus kamen in dieser Zeit vorbei, ausnahmslos alle sind stehen geblieben und haben gefragt, ob sie helfen können. Ein Polizist kam mit Blaulicht daher, alarmiert von einer älteren Dame, die am Ortsrand wohnt, alles von ihrem Haus aus gesehen und „sich Sorgen gemacht“ hat. Warum erzähle ich das? Mag sein, dass man am Land der Stadt gegenüber manchmal etwas skeptisch ist. Aber wenn’s drauf ankommt, halten wir schon zusammen.

Themenwechsel. Es gibt Klischees, von denen man weiß, dass sie nicht stimmen, und doch hat man sie lieb gewonnnen, etwa, weil sie schmeicheln. Der designierte Staatsoperndirektor Bogdan Rošcic hat nun mit dem Klischee aufgeräumt, dass jeder Wiener Taxler Belcanto-Spezialist sei. Wir sind jetzt ein bisschen beleidigt.