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Sitzfleisch

Festspiele sind, wenn man sich mit einer Geschichte mehrere Stunden beschäftigt. Das geht im Theater, im Kino - und auch im TV.
Michael Huber
THE ODYSSEY

Am Wochenende im Kino gewesen, „Die Odyssee“ angeschaut. Das Kinospektakel von Christopher Nolan ist heuer ja das Bayreuth des kleinen Mannes, weniger wegen der Musik (die gibt es kaum) als wegen der Erfahrung, mehrere Stunden mit einem epischen Erzählstoff zuzubringen.

Die These, wonach dem Publikum keine langen Aufmerksamkeitsspannen mehr zuzumuten seien, wird durch den Hollywood-Film ebenso infrage gestellt wie mit dem Salzburger Festspiel-Hit „Saint François d’Assise“ (sechs Stunden). Im regulären TV liefen an diesem Wochenende Wagners „Rheingold“ und „Lohengrin“ (auf ARTE, bis 2 Uhr früh).

Man kann denken, dass hier das „Schwere“ ins Nachtprogramm verlagert wird, um sich mit Kultur zu schmücken – oder aber sehen, dass es echten Bedarf nach solchen Stoffen gibt. Gerade bei jenen, die vielleicht Sitzfleisch, aber keinen einfachen Zugang zu Festspielen haben.

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