Kolumnen
06/26/2020

Wiener Ansichten: Grünflächenvernichtung

Klimadebatte? Gerne. Fangen wir mit der rigorosen Grünflächenvernichtung an

von Barbara Mader

Alte Häuser, Dörfer, Wiesen und Felder am Stadtrand müssen weichen. Weil Wien wächst. Wir berichteten. Ob die Gründe dafür tatsächlich immer darin liegen, dass man Wohnraum für die vielen Jungfamilien braucht, die bei Bedarf für jede Partei und jedes Anliegen herhalten müssen?

Es geht nicht nur um sozialen Wohnraum (und wenn doch: Muss eigentlich derart dicht gebaut werden?). Manchmal sind es, neben dem „Luxuseigentum“, das derzeit allerorts entsteht, auch einfach Anlegerwohnungen, die eben meist als Investition und nicht zum Wohnen gebaut werden, die dafür sorgen, dass alte Häuser verschwinden und an ihrer Stelle graue Kuben gebaut werden, die überall gleich ausschauen. Und für die dann mit „absoluter Ruhelage“ und „ländlicher Idylle“ geworben wird – da, wo soeben das letzte Stückchen Grün oder Dorfleben verbaut wird.

Vergangene Woche berichteten wir über den Leopoldauer Platz, wo alte Häuser auch trotz Schutzzone nicht bleiben dürfen. Die Reaktionen darauf waren zahlreich, heftig und alle von derselben Tonalität: Die Menschen - egal ob in Floridsdorf, der Donaustadt oder in Favoriten, haben den „Bauwahnsinn“, wie Monika S. schreibt, ziemlich satt. „Auch der Kagraner Platz wurde bereits von seinem Dorfcharakter befreit“, schreibt Hermann R. , das bestätigt auch Leser Werner D. und Birgit R., die im Haus ihrer Großeltern in einem Dorf am Stadtrand wohnt, berichtet, dass ihr regelmäßig Briefe von Immobilienfirmen ins Haus flattern, die ihr Grundstück kaufen wollen. Auch Frau Sch. aus Leopoldau bekommt oft derart aufdringliche Post.

Apropos Briefe. Ich habe Post von der Umweltstadträtin bekommen. Ich soll doch bitte das Klimavolksbegehren unterschreiben. Gern. Schließlich wird Wien ein Hitzeanstieg von 7,6 Grad bis 2050 prognostiziert. Darf ich mir dafür was wünschen? Wie wär’s mit etwas weniger Grünflächenvernichtung? Dann bräuchten wir auch keine Projekte wie die „Coolen Straßen“, die in Wien jetzt für Abkühlung sorgen sollen.

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