Kolumnen
04/06/2021

„Wie geht es dir?“

Zahlen sind die Informationswährung im Pandemiezeitalter. Aber sagen Zahlen wirklich aus, wie es jemandem geht?

von Birgit Braunrath

Heute vor 75 Jahren ist in Paris „Der kleine Prinz“ erschienen, ein als Kinderbuch getarntes Märchen für Erwachsene. Und manches darin klingt nach 75 Jahren erstaunlich heutig. So etwa dieses Zitat:

Die großen Leute haben eine Vorliebe für Zahlen. Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erzählt, befragen sie euch nie über das Wesentliche. Sie fragen euch nie: Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge? Sie fragen: Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wie viel wiegt er? Wie viel verdient sein Vater? Dann erst glauben sie, ihn zu kennen.

Wenn große Leute heute, 75 Jahre später, mit einem Freund telefonieren, haben sie eine Vorliebe für Zahlen: Die 7-Tage-Inzidenz in dessen Bezirk? Der Ct-Wert beim PCR-Test? Wievielter Tag der Quarantäne? Verdienstentgang durch die Pandemie? - Dann erst glauben sie zu wissen, wie es dem Freund geht.

Dabei gibt es die im Corona-Zahlendickicht in Vergessenheit geratene gute, alte Frage: „Wie geht es dir?“. Und darauf sagt der andere dann zum Beispiel: „Durchwachsen ...“ Und man antwortet: „Sehr gut! Durch Wachsen wird man größer!“ Der andere lacht – und schon geht es ihm ein bisschen besser.

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