Kolumnen
07/17/2021

"ÜberLeben": Alle meine Ärzte

Ich fühle mich unter Medizinern wohl. Vielleicht hätte ich selber einer werden sollen...

von Guido Tartarotti

Ich sitze bei meinem Urologen im Untersuchungszimmer ... naja ... „sitze“... Während er mich untersucht, sagt er: „Ich mag deine Kolumnen, sie sind so unaufgeregt.“ Ich antworte, mich nach Kräften auf das Gespräch konzentrierend: „Dann wirst du eines Tages wohl ganz unaufgeregt in einer Kolumne vorkommen.“ Mein Urologe lacht. Er nennt sich selbst „Spatzidoktor“, was sonst nur meine liebe Seitennachbarin Vea Kaiser zu ihrem Mann sagt. Er hat einen guten Humor, das erkennt man schon daran, dass er mit dem brillanten Kabarettisten Alex Kristan befreundet ist.

Mein Urologe ist der klassische Arzt: Er ist nicht mehr ganz jung, aber lange noch nicht alt, schlank, trägt lange, graue Haare und lässige Jeans. Er sieht aus, als würde er gerne Golf spielen, Zigarren rauchen, Oldtimer-Sportwagen fahren und sehr charmant zu Frauen sein.

Ich fühle mich bei Ärzten wohl. Vermutlich, weil ich aus einer Ärztefamilie komme. Meine Großmutter war Allgemeinmedizinerin, und als ich sehr klein war, spielte sie mit mir „Der Teddybär hat einen Wasserkopf und muss operiert werden“. Zwei ihrer Enkel wurden erfolgreiche Ärzte, drei andere hoch professionelle Hypochonder.

Ich gehe gern zu Ärzten, weil das Gefühl, wenn sie sagen „Alles soweit in Ordnung“ unvergleichlich ist. Und weil sie interessante Menschen sind. Mein Dermatologe ist ein melancholischer Kerl, der am liebsten über Jazz spricht. Meine HNO-Ärztin ist so fröhlich und positiv, dass man sich neben ihr fast wie ein Versager fühlt. Meine Lungenspezialistin ist eine echte Menschenfreundin und außerdem eine Philosophin (und raucht manchmal), Gespräche mit ihr haben fast Therapiecharakter. Meinem Kardiologen sind Gitarren eine Herzensangelegenheit, und das verbindet uns. Und bei meinem Hausarzt fühle ich mich ... zu Hause. Er und seine Ordinationschefin vermitteln einem, dass alles gut wird, egal wie trüb die Lage ist. Und genau dafür braucht man Ärzte.

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