Die schillernden Facetten des Fliegens

Kolumnist Axel Halbhuber über Streiks, das Klima und die Frage nach dem besten Sitzplatz im Flugzeug
Axel Halbhuber

Axel Halbhuber

Viel wird dieser Tage über das Fliegen gesprochen, präziser: über das Nichtfliegen. Anlass ist der geheime Weltrekordversuch von Austrian und der Gewerkschaft, so viele Verhandlungsrunden wie noch nie für einen Tarifabschluss zu brauchen. Und auch, wenn man natürlich jeden Ehrgeiz, neue Rekorde aufzustellen, unterstützen soll, zehrt das an

unseren Nerven als Reisende. Weil wir nicht wegkommen, nicht zurückkommen oder unsicher werden, ob wir uns für dann und wann überhaupt Tickets kaufen sollen.

Schade ist auch, dass durch diesen Weltrekordversuch die üblichen Themen rund ums Fliegen ins Hintertreffen geraten. Es wird viel weniger über die arge Belastung des Klimas durch die CO2-Emissionen von Flugzeugen geredetals noch vor Kurzem. Dabei ist die Debatte sinnvoll: Nicht zu fliegen (oder deutlich weniger) scheint mit der gelebten Realität kaum umsetzbar zu sein, aber die gleiche Realität ist eben, dass ein Passagier beim Flug ans andere Ende der Welt halb so viel CO2 verursacht wie jede Österreicherin und Österreicher im Jahr. In anderen Worten: Wenn ich nach Australien jette, steigt mein CO2-Jahresverbrauch um fünfzig Prozent. (Meinen Verbesserungsvorschlag kennen Stammleser: Deutlich weniger oft weit weg fliegen, aber dafür länger dortbleiben, Urlaube kumulieren quasi)

Noch besser war alles sowieso immer früher, als die Banalitäten des Fliegens die wirklichen Themen waren. Welcher Sitzplatz zum Beispiel der richtige ist. DieEinschätzungen verteilten sich stets gleichermaßen auf 49,9 Prozent Gang- und 49,9 Prozent Fenster-Liebhaber sowie 0,2 Prozent Masochisten des Mittelsitzes. In stundenlangen leidenschaftlichen Debatten tauschten die Fensterer und die Gangler ihre Gründe aus, über das Lulu-Gehen wurde da gesprochen, über das Hinausschauen, über das Eingesperrtsein und das Aufstehenmüssen. Das waren Themen, die weniger wehtaten, sich aber zugegebenermaßen nicht für Weltrekorde eignen. Ebenso wenig wie das lange Philosophieren über Flugzeugessen. Dazu hat die Austrian jüngst übrigens stolz verkündet, dass das neue Angebot der Schnitzelsemmeln an Bord überraschend stark nachgefragt wird.

Diese Freude über so Bodenständiges halte ich für einen Schritt in die richtige Richtung.

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