Lasst uns wieder Blumenkinder sein
Nachdem ich darauf hingewiesen wurde, dass ich als Banause nicht über Bücher schreiben soll, schließe ich die Urlaubslektüren-Thematik hiermit ab, herzlichen Dank an alle, die gute Tipps hatten. Stattdessen widme ich mich Banalerem, oder sagen wir: Floralerem. Denn es beginnen nun die Ferien und ich finde, man sollte mit Kindern auf Reisen öfter einmal Blumen betrachten.
Ob Blumen ein adäquates Reisemotiv sind, wird meistens entlang einer Generationengrenze diskutiert. Auch ich habe die Sightseeing-Qualität von Pflanzen erst mit ungefähr vierzig erkannt, davor haben sie mich in etwa so sehr interessiert wie eine Briefmarkensammlung im Postmuseum von Vaduz. Mittlerweile kann ich einer bunten Blumenpracht am Reiseziel einiges abgewinnen, besonders wenn es sich um exotische Gewächse handelt, die man sonst nur im Gartencenter zu Gesicht bekommt.
Die geschätzte und jüngere Kollegin Lea Moser merkte dazu kürzlich im Reise-Podcast (Folge Madeira, zum Nachhören auf kurier.at/podcasts) an, dass Blumen auf der ganzen Welt vorkommen. Ihre Ableitung, dass sie deswegen kein Reisemotiv wären, kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Erstens kommt ja vieles auf der ganzen Welt vor, Sushi zum Beispiel, und doch reist man auch dafür nach Japan. Zweitens kommen gewisse Blumen nur in gewissen Gegenden vor, drittens nur zu gewissen Jahreszeiten. Am wichtigsten aber viertens: Blumen sind extrem verlässliche Besichtigungsobjekte. Im Dschungel sind zum Beispiel Affen viel schwieriger zu sichten als Orchideen, die ja ihr ganzes Dschungelorchideenleben lang am selben Baum kleben, Orchideen sind nämlich nur extrem schöne Hausbesetzer. Dabei schauen sie im Gegensatz zu jenen Tieren, die auch wie angeklebt und dadurch gut anschaubar verweilen (satter Löwe unter Savannenbaum) nie gelangweilt drein. Blumen lachen sogar irgendwie, als ob sie so ein Liebtier (Spitzmaus, Clownfisch, Lemur) wären.
So kommen Blumen urlaubenden Eltern entgegen, man muss für sie nicht früh aufstehen, kann sie kaum verpassen und der Andrang an jeglicher Blühwiese in den Bergen ist garantiert geringer als auf den hochgezüchteten Abenteuerspielplätzen heutzutage. Und, eben das Alter: Seit ich nicht mehr die Knie meines 25-jährigen Ichs habe, kommt mir eine dreistündige Liegeeinheit auf der Wiese zwischen Almrausch und Kuhschellen gelegener als eine Gipfelbesteigung über blanken Fels.
Fraglich ist nur noch, ob unsere Kinder und Teenies sich für das Pflanzenzeug begeistern lassen. Schlimmstenfalls drohen wir ihnen halt: Wenn du die Blume jetzt nicht ordentlich anschaust, gemma auf den Gipfel dort!
Ach, das werden schöne Ferien!
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