Kolumnen
03/15/2019

Mediale Eiszeit

"Tagebuch": Heute wird Danzer 75 Jahre alt. Groß wird er vom Verband nicht geehrt werden. Andere Zeiten, andere Interessen.

Fasziniert starrten die Leute in g’steckt vollen Wirtshäusern auf Schwarz-Weiß-Fernseher, wenn Pirouettendrehen angesagt war. Mittlerweile herrscht längst mediale Eiszeit im negativen Sinn. Obwohl die Eiskunstlauf-WM in Japan ansteht. Dort darf sich die einstige Eis-Großmacht Österreich keine Hoffnungen auf Medaillen machen. Im Eistanz ist Österreich gar nicht vertreten.

Weil sich kaum noch wer die Streitereien um (teure) freie Eisflächen antut? Oder wird Talenten der zeitliche Trainingsaufwand gepaart mit schulischem Stress zu viel? Zweitere Frage verneint Emmerich Danzer. Seit der TV-untaugliche Pflichtbewerb (in dem Olympiasiegerin Trixi Schuba weltweit unerreicht war) abgeschafft wurde, sagt Danzer, müsse nicht mehr so extrem viel trainiert werden.

Der Wiener Danzer war drei Mal Welt- und vier Mal Europameister gewesen, ehe er seine Goldenen bei Revuen versilberte. Die legendären Duelle mit dem Wiener Wolfgang Schwarz (Olympiasieger 1968) garantierten Schlagzeilen.

Heute wird Danzer 75 Jahre alt. Groß wird er vom Verband nicht geehrt werden. Andere Zeiten, andere Interessen. Immerhin besuchte ihn kürzlich ein deutsches TV-Team. Auch, weil die Reporter wissen wollten, wie es in Stasi-Zeiten möglich gewesen war, dass Danzer und die DDR-Kunstlauf-Weltmeisterin Gaby Seyfert, die als sportliches Aushängeschild des Regimes galt, ihr mehrjähriges G’spusi hatten geheimhalten können.

Von 1974 bis 1995 kommentierte Danzer mit Ingrid Wendl selbst WM und Olympia im TV. Vor allem das Schaulaufen am WM-Schluss, erinnert er sich, war für den ORF stets ein Quotenhit. Und in den USA seien 1994 mit dem Streit zwischen Nancy Kerrigan und Tonya Harding (ließ ihre Rivalin mit einer Eisenstange attackieren) gar die bis heute höchsten Einschaltziffern („mehr als bei der Mondlandung“) erreicht worden. Danzer muss es wissen. Schließlich lebte er 15 Jahre in den USA; er trainierte in Lake Placid talentierte und weniger begabte Millionärssprösslinge. Dafür erhält er monatlich 150 US-Dollar Pension. wolfgang.winheim