Kolumnen
02.07.2018

Männer, über die man spricht

"Tagebuch": Im Dezember 2022 wird sich der bis dahin ergraute Joachim Löw nicht mehr in die Wüste schicken lassen.

Zwei Herren müssen in dieser Woche Stellung beziehen: Teamchef Joachim Löw und Skistar Marcel Hirscher.Was haben Ski-Olympiasieger Marcel Hirscher, 29, und der deutsche Fußball-Teamchef Joachim Löw, 58, gemeinsam? Beide werden in dieser ersten Juli-Woche ihre Zukunftspläne verraten. Dennoch: Unterschiedlicher könnte die Ausgangsposition nicht sein.

Marcel Hirscher, für dessen Pressekonferenz am Mittwoch in Fuschl am See (Salzburg) sich trotz K.-o.-Phase bei der Fußball-WM, Formel 1 in Silverstone und Tennis-Klassiker in Wimbledon 55 internationale Medienvertreter angemeldet haben, beschäftigt seit seinem siebenten Weltcup-Gesamtsieg in Folge die Frage, ob er auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft abtreten soll.

Der Weltmeistermacher von 2014 alias Bundes-Jogi Löw müsste (aber muss nicht) am Tiefpunkt seiner Trainer-Karriere gehen.

Eine Prognose: Jung-Ehemann Hirscher wird, zumal im besten Skirennfahrer-Alter und als Papa in spe auch privat auf Wolke sieben, noch einen weiteren Winter der Konkurrenz um die Ohren carven.

Der angezählte (aber von seinem Arbeitgeber DFB allein schon mangels spektakulärer Alternativen nicht fallengelassene) Joachim Löw wird die Schmach von Russland nicht auf sich sitzen lassen und mit etlichen U-21-Europameistern aus dem Jahr 2017 plus dem Motto „Jetzt erst recht“ den Europameistertitel 2020 anstreben – und den womöglich auch gewinnen. Sofern sich im deutschen Nachwuchs bei aller imponierenden Breite nach langer Zeit wieder einmal eine (Sturm-)Spitze von Weltklasse-Niveau finden lässt.

Im Dezember 2022 (auch wenn sein Vertrag so lange gilt) wird sich der bis dahin ergraute Joachim Löw nicht mehr in die Wüste schicken lassen, obwohl die nächste WM-Endrunde ebendort in Katar stattfindet. Sondern die Spiele nervenschonend und bestens honoriert für das deutsche Fernsehen oder einen Streaming-Dienst analysieren.

Quotengarant

Auch Hirscher, der gestern in Spielberg bei der Formel 1 gern gesehener Gast war, wird 2022 vor dem Bildschirm sitzen. Aber selten Fußball schauen. Denn zur gleichen Advent- beziehungsweise Uhrzeit wie die WM-Spiele in Katar finden auch die Übersee-Rennen im alpinen Skiweltcup statt.

Der ORF hat sich für beide Quotengaranten bereits jetzt die Übertragungsrechte gesichert. Und dann die Qual der Wahl. Zumindest das ist mehr als Spekulation. wolfgang.winheim