Kolumnen
04/08/2019

Stadtgeflüster: Bärlauch-Angst

Warum gibt es nicht längst eine Bärlauch-Erkennungs-App? Die auf ein Foto mit einem „Mahlzeit!“ oder „Lieber nicht!“ antwortet.

von Julia Schrenk

Also: Ich habe Bärlauch im Garten, aber traue mich nicht, ihn zu ernten.

Er schaut aus wie Bärlauch, riecht wie Bärlauch, blüht dann später auch wie Bärlauch (das weiß ich aus den vergangenen fünf Jahren, wo ich mich auch schon nicht getraut habe, ihn zu ernten). Ich habe in seiner Nähe noch nie ein Maiglöckerl gesehen (außerdem ist ja noch nicht Mai) und ich kann auch ein Maiglöckerlblatt von einem Bärlauchblatt unterscheiden.

Ich weiß, dass Bärlauch aus einzelnen Stielen aus dem Boden wächst und dass seine Blätter auf der Rückseite matt sind.

Mir ist klar, dass ich den Bärlauch nicht mehr essen sollte, wenn er blüht (oder wenn man schon die dicken Knospen sieht). Ich traue mich auch nicht, Bärlauch in freier Wildbahn zu ernten. Schon gar nicht im Prater, wo der Bärlauch überdurchschnittlich starker Düngung durch Hunde (und Läufer) ausgesetzt ist.

Jedenfalls ist das Erstaunliche das: Grundsätzlich esse ich Bärlauch. Und zwar ohne mit der Wimper zu zucken. Ich esse ihn im Restaurant, wenn ihn jemand anderer pflückt und mir bringt, wenn ich zum Essen eingeladen bin, sogar in der Kantine esse ich ihn (und das ist sehr mutig).

Warum pflücke ich also den Bärlauch nicht einfach, bereite ihn zu und genieße ihn ohne je daran zu zweifeln, lebend davon zu kommen? Vielleicht, weil ich schon so lange im Chronik-Ressort arbeite und daher WEISS, dass tatsächlich Menschen STERBEN, weil sie Bärlauch mit Maiglöckchen (oder Herbstzeitlosen) verwechseln. Oder weil ich schon einmal sehr bereut habe, Spaghetti mit Bärlauchpesto allein in meiner Wohnung zu essen, weil ich währenddessen draufgekommen bin, dass mich niemand wird retten können.

Warum gibt es also nicht längst eine Bärlauch-Erkennungsapp? Eine, in die man ein Foto vom Bärlauch hochlädt, die anschließend so etwas wie einen DNA-Abgleich macht und mit einem „Mahlzeit!“ oder „Lieber nicht!“ antwortet. Diese App könnte man dann auch für Blumen und Schwammerl adaptieren. Die trau ich mich nämlich auch nicht sammeln. Aus den genannten Bärlauch- Gründen.

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