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Kolumnen
06/09/2019

Sie ist dann mal weg

So eine Sehnsucht nach einem Rendezvous mit dem Meer sorgt für zweierlei Einsamkeit und trotzdem für die Gewissheit inniger Verbundenheit.

Sie Aus der Reihe „Was Paartherapeuten empfehlen“, diesmal: „Kleben Sie nicht zu sehr aufeinander.“

Gute Idee. Besonders nach den vielen gemeinsamen Auftritten zuletzt und oft mühsamen Anreisen, mit komplexen Diskussionen wie: Bist du sicher, dass wir nur eine Stunde fahren und nicht eineinhalb? Damit verbunden meist längere Backstage-Aufenthalte in Theatergarderoben. Da sitzen wir, betrachten uns im Spiegel, machen 100 Selfies, von denen wir 99 sofort wieder löschen. Weitere prickelnde Dialoge. Er: Furchtbares Foto, da habe ich ja ein Doppelkinn. Ich: Hasi, du musst jetzt tapfer sein, so schaust du aus! Wenig später ich: Wehe, du veröffentlichst dieses Bild auf Facebook, ich bin ja noch ungeschminkt. Er: Bist du sicher, dass es einen so großen Unterschied macht, wenn du dir ein bisserl die Wangen puderst? So geht das dahin. Dazwischen beraten wir, wer welches Brötchen isst: Du Schinken mit Kren, ich Lachs?

Weit entfernt

Ja, es ist höchste Zeit, für Freiräume zu sorgen, zumal er unlängst ächzte: Ich fühle mich ein wenig beengt. Ich riet ihm dann, das Hemd zu wechseln, weil aus dem da sei er herausgewachsen. Und: Vielleicht solltest du mehr Poncho tragen? Nicht so witzig, stimmt. Daher habe ich mich für ein paar Tage vertschüsst, damit er mehr Luft kriegt (und ich Sonne). Kaum dem Flieger entstiegen, erreichten mich auch schon fünf Textnachrichten vom Mann nebenan: Gut angekommen? Hast du WLAN? Telefonieren wir abends? Wie ist das Wetter? Ich hasse es, wenn deine Bettseite leer ist. Schließlich folgte, mit einigen Sekunden Verzögerung, die letzte Nachricht: Welchen Knopf muss ich für Buntwäsche drücken? Da tat ich, als hätte ich keine Verbindung. Die Liebe ist bekanntlich ein Kind der Freiheit.

„Schatzi, geht’s noch?“: 14. 7., Summerstage; 30. 9. & 26. 10. im Rabenhof; 3. 10. Bettfedernfabrik; 11.10. Burg Perchtoldsdorf

 

Er Gnä Kuhn ist in See gestochen. Und während sie an der Reling des Segelschiffs tiefenentspannt den Blick in die Ferne schweifen lässt, sehe ich in meiner Rolle des  Alltagsvagabunden volle Wäschekörbe, volle Geschirrspüler, volle To-do-Listen. Meine Mission für diese Woche ist demnach ein gut organisiertes Abarbeiten, und zwar getreu dem Credo: Leere, wem Leere gebührt. Das Schöne an der Abwesenheit der Liebsten (jetzt einmal abgesehen von jenen vielen maritimen Glücksgefühlen, die ich ihr von Herzen gönne) ist jedoch das Geschenk der freien Lebenseinteilung. Ja, ich bin jetzt der Herrscher über Zeit und Raum, der das Zepter fest in Händen hält. Ich sehe ein ungemachtes Bett und denke mir: Ach, später. Ich sehe einen Putzerei-Zettel und denke mir: Kann warten. Ich sehe einen ungemähten Rasen und denke mir: Auch irgendwie schön. Und es ist niemand anwesend, der heute sagt, dass meine Pläne für morgen viel besser schon seit gestern erledigt sein sollten.
AnleitungenAußer der Tochter, aber die findet so einen Hauch zwischenzeitlicher Anarchie genau betrachtet auch nicht allzu störend. Und so sitzt eben die familiäre Gesetzeshüterin irgendwo im Mittelmeer  beim Captain’s Dinner, während Vater und Kind in die Pizzeria ihres Vertrauens flüchten, um die geputzte Küche nicht in einen Sauhaufen zu verwandeln. Aber nur damit keine Irrtümer entstehen: Selbstverständlich trudeln dank WhatsApp (Gruppe „Gaby segelt“) zwischen den Impressionen von Sonnenuntergängen, Möwen und Tavernen auch zahllose Handlungsanleitungen ein. Überweisung nicht vergessen! Bei Hitze ans Gießen denken! Achtung Pfingsten, Essen einkaufen.  Dann weiß ich wieder: Wo sie auch ist, sie  ist immer da. Und: Gut so.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, letzter Auftritt
vor dem Sommer: 12. 6. Wien (Studio Akzent)