Kolumnen
02/17/2019

Paaradox: Von Männern und Mythen

Ehe-Wellness. Am Anfang stand ein Ausflug in die Sauna. Am Ende eine Art Eiszeit.

SIE

„Echte Männer bohren nicht in der Nase, sie streicheln ihr Gehirn“: Ich weiß nicht mehr  genau, wo ich diesen Spruch gelesen habe –  gemerkt habe ich ihn mir bis heute. Vor allem deshalb, weil ich mich frage, wer auf die  Idee gekommen ist, männliche Menschen in derlei Kategorien aufzuteilen. Was genau wäre dann ein unechter Mann? Ein Sitzpinkler? Ein Kuchenteigmitkneter? Ein Schneerosen-im-Garten-Bemerker? Ein Wollwaschprogramm-Einschalter? So eine Klassifizierung führt vielfach zu falschen Vorstellungen. Wie mitunter beim Mann nebenan.

Ein Dämon namens „Kerl“

Der begab sich urlaubsbedingt in eine  90-Grad-Sauna mit Blick auf den eiskalten See.  Nach 25 Minuten  verließ er die Hitzehölle, um abzukühlen. Da  raunte auch schon dieser Dämon namens „echter Kerl“: In den See mit dir! Beweise, dass du harte Sau und junger Krieger bist – stählern, trainiert, knallhart, unverwundbar, unsterblich. Schwupps, schon war er drin und fühlte sich wie der echteste Mann unter allen echten Männern. Hey, geil. Das  allerdings nur für Sekunden, denn plötzlich wurde ihm irgendwie komisch – der Kreislauf, huch!  Später saßen wir beim Abendessen. Während ich den Hauptgang einnahm,  schlürfte er zwei klare Suppen – ohne Einlage, bitte! –  und trank lauwarmes Wasser. Bald flüsterte er:  Sorry,  ich muss ins Bett.  Als ich  ins Zimmer kam, lag mein unechter Mann da, bis zur Nase zugedeckt, in Wollsocken, mit Schal. Im Fernsehen lief gerade einer seiner Lieblings-Actionheld-Dialoge. Echte Frau (Tochter): Du hast dich selbst angeschossen! Echter Mann: Ja, das schien mir ne gute Idee zu sein. Da nahm ich seine Hand und sprach: Schatz, es ist nur ein Film. 

Paaradox NEU: 22. 2.,   Danubium; 1. + 2. 3., Wilheringerhof; 12. 3. Schwechat, Felmayerscheune; 18. 3. Rabenhof

paaradox.at

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ER

Ich war tausend Mal in der Sauna. Tausend Mal im kalten Tauchbecken. Nie geschah etwas wie diesmal. Aber vielleicht stand im Augenblick meines langsamen Eintauchens in den drei Grad kühlen See der Neptun im Quadrat von Aszendent Eisbär oder so. Tatsache ist, dass ich nach meinem Ausflug in die See-Sauna  ausnahmsweise ein bisserl indisponiert war (und erstmals in meinem Leben keinen Schweinsbratl-Appetit verspürte). Ein solches Ereignis, das mein Wesen als Jung-Siegfried infrage stellte,  war natürlich ein Fressen für gnä Kuhn. Denn so durfte sie als Medizinalrätin nicht nur weise Vorträge über Kapillargefäße aus dem Ärmel schütteln, sondern auch philosophische Erkenntnisse über Mannsein und Älterwerden.

Der Rückzug

Wohl wissend, dass ich kaum Retourkutschen in petto hatte. Denn das einzige, was meiner Frau auf dem Wellness-Weg zwischen Dampfbad, Tepidarium und Ruheraum passieren könnte, wäre, die Lektüre „Das Wunder der Gelassenheit“ vergessen zu haben oder sich am Rosenblütenwasser zu verschlucken. Also blieb mir nur der Rückzug. Nachdem ich mich in eine Zeit versetzt gefühlt hatte, als mein Name von der Frau Fessa wegen Sesselhutschens mit mahnenden Worten im Klassenbuch vermerkt worden war. Ich brauchte einen Actionfilm mit Bruce Willis, um den Helden in mir mit wärmender Energie zu versorgen. Und es funktionierte. Als die Liebste das Zimmer betrat, sagte ich lässig: „Der See ruft. Morgen versuch’s ich wieder.“ An ihrem Blick erkannte ich jedoch, dass sie meine Scherzansage entlarvte. Sie sagte betont beiläufig „Yippie Yah Yei Schweinebacke!“ und dann nix mehr. Und dieses Schweigen war zumindest ein kleiner Sieg für mich.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 18. 2. Wien (Studio Akzent)

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