Kolumnen
30.09.2018

Paaradox: Unter einer Decke

Gezipfel, Teil II. Was nützt das tollste Bettzeug, wenn man es teilen muss?

SIE

Könnte sein, dass der Zipfelzank vom vergangenen Sonntag historische Dimensionen hat. Nie zuvor haben wir so viel Leserpost erhalten. Anscheinend sind wir nicht die einzigen Menschen, die mit dem Beziehen von Bettzeug und der besten Zipfelposition  mehr oder weniger Probleme haben. Bezugs- und, tja, Beziehungsprobleme.

Burrito – was?

Dank der Zuschriften wissen wir nun, dass es 101 Arten gibt, Deckenzipfel in Bettwäsche zu stopfen. Wir saßen bei Pasta, als ich dem Mann nebenan die von Lesern sehr empfohlene „Burrito-Methode“ ans Herz legte. Ein angeblich weltweit angewandtes System, um Betten „mit wenigen Handgriffen“ perfekt zu überziehen (bitte googeln). Empörung seinerseits.  Ihm schien nur seine Methode erwähnenswert. Flugs waren wir  wieder mitten im Zipfeldiskurs. Dabei nützte er die Gelegenheit, um ein Problem anzusprechen, von dem ich bisher nichts geahnt hatte. Sein „Mein Zipfel/dein Zipfel“-Trauma.

In den vergangenen Urlauben schliefen wir nämlich in Hotelbetten mit  XL-Decke, die wir uns teilen mussten. Es muss traumatisch für ihn gewesen sein: Immer hast du die ganze Decke an dich gerafft! Stimmt, ich bin jemand, der nur in Embryonalhaltung mit zusammengeknödelter Tuchent und Bettzipfel in der Hand einschlafen kann,  ich  will alles  –  und das die ganze Nacht.  Darüber könnte man im therapeutischen Setting sprechen, aber nicht im Urlaub. 

Daher brach aus ihm an diesem Abend  sein jahrelang aufgestautes Zipfelverlust-Trauma heraus. Er war ja als Verlierer hervorgegangen, schwer verdaulich für einen Typen wie ihn.  Mir tat’s leid, echt.  Daher schwor ich mir: Nur mehr getrennte Decken. Und wenn wir dafür künftig im Zelt schlafen müssen.

Nächster Paaradox-Abend: 11. Oktober, Stadtgalerie Mödling

gabriele.kuhn@kurier.at

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ER

Ich habe einst auf Facebook mein Hotelbettdeckenleiden formuliert und war erstaunt über die vielen Kommentare zur Urlaubspetitesse. Es entbrannte  tatsächlich eine ausufernde Debatte, ob es einem Paar zuzumuten sei, unter einer Decke zu schlafen. Mein Standpunkt war (und ist) klar: Auf! Gar! Keinen! Fall! Ich wundere mich ja über sehr vieles im Leben. In Hotelzimmern etwa über Leintücher und Bettdecken, die  tagtäglich so tief und fest unter die Matratze geschoben werden, dass es am Abend mitunter einer Transformation zu Herkules bedarf, um sie dort wieder herauszuziehen. Aber das nur nebenbei.

Beharrungskräfte

Denn selbst dieses Phänomen ist zu vernachlässigen in Anbetracht des Umstands einer Einzeldecke im Doppelbett – bitte wer lässt sich so eine Perfidie einfallen (und nein, das ist nicht romantisch)? Zumal es Menschen wie gnä Kuhn gibt, die – gegen die Kälte und für die Sicherheit – nur wenige Minuten benötigen, um sich im ersten Halbschlaf ruckartig palatschinkenartig einzurollen. Bedeutet: Die Decke wird mir Dezimeter für Dezimeter vom Leib gezogen, jede Rückeroberungsaktion scheitert a) an ihren Beharrungskräften und b) an ihrem Bettgeflüster Marke „Mubnkiflözdeklaspf“.

Was so viel heißt wie: „Hey, meine Decke, lass' mich endlich schlafen“. Und wehe, ich teile der Liebsten in der Früh mit, dass ich mein Sein als hüllenloser Wach-Mann mit  Argwohn betrachte. Dann sagt sie: „Jössas,  dann frag’ halt wegen einer eigenen Decke.“ Nun, sie könnte natürlich auch fragen, aber egal, Hauptsache, wir sind uns einig: Nur eine entschlossene Trennung garantiert nächtliche Glücksgefühle.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 3. 10. Vöcklabruck, 4. 10. Salzburg, 6. 10. Tulln, 10. 10. Wr. Neustadt 

michael.hufnagl@kurier.at

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