Kolumnen
25.11.2018

Paaradox: Tue Gutes und rede darüber ...

... oder besser nicht. Arbeitsteilung ist das eine, deren Wahrnehmung das andere.

SIE

Zeit für Geschichten vom talentierten Mr. Hufnagl nebenan. Dem mangelt es bekanntlich nicht an Selbstbewusstsein, was sich oft als exzessives Selbstlob äußert, etwa:  Ausgezeichnet habe ich das gemacht! Super, Mann. Oder: Das kann nur einer (langer Blick auf  sein Spiegelbild). Dem folgt dann  eine Aufzählung  jener Aktivitäten, die aus seiner Sicht nicht nur selbstlobwürdig wären, sondern dringend langer Huldigungen meinerseits bedürften. Ehrlich: Warum soll ich mich in den Staub hauen, nur weil er nach meiner x-ten Aufforderung endlich zum Laubsauger gegriffen hat, um die Terrasse vom Herbstdreck zu säubern? Zumal es ja so ist, dass er auf dem Herbstdreck-Aug’  eher blind ist, Motto: Ich seh nix, ich hör nix, ich riech nix, also ist nix.

Ist das nicht toll?

Doch kaum hat er seine Arbeit erledigt, trommelt er  sein Publikum zusammen. Nachbarn oder Besucher etwa, die er  am Krawattl in den Garten zerrt, um sich dort  aufzubauen und nachzufragen: Ist das nicht toll?  Habe ich g’macht. Ganz allein. Und jetzt tun die Unterarme weh. Ich bin natürlich Teil der Inszenierung, indem er mir  alle fünf Minuten  zu verstehen gibt, dass er das nur für mich gemacht hätte. Bist du nicht stolz auf mich? Wehe, ich schweige. Dann faselt er etwas von mangelnder Wertschätzung. Ich lasse dann  meist unauffällig eine Liste herumkugeln, auf der so Sachen stehen wie: Zwei Maschinen total verschwitzte Sportsachen gewaschen – check. Eiskasten geputzt – check. Kellerkasten entrümpelt – check. Nicht darüber geredet, check. Dann bringt er rote Rosen. Und sagt: Na, sind die nicht  schön? Hab ich ausgesucht. Ganz allein. Sehr gut, setzen, Hufnagl. Bist eh der Beste.  
 

Paaradox-Lesekabarett neu: „Schatzi, geht’s noch?“ Ab 23. Jänner im Wiener Rabenhoftheater.

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ER

Ich lege die Rolle der Selbstvermarktung gelegentlich mit einem leichten Hang zur Überhöhung an. Aus gutem Grund. Ich sage dann: „Oh, die Flaschen müssen entsorgt werden – das übernehme ich, weil ich diese große Herausforderung  schon die letzten hundert Mal auf unnachahmliche Weise  gemeistert habe.“ Aber es ist ein Irrtum, dass ich mir für diesen verlässlichen Beitrag zum gemeinsamen Haushaltsglück Applaus, Bravo-Rufe und kuhn’sche Dankbarkeitszeremonien erwarte. Ich erwähne meinen Aktionismus nur deshalb so eindringlich, um einem der berühmtesten Märtyrer-Sätze des Ehelebens vorzubeugen: „Immer muss alles ich machen.“ Daran  stimmt freilich weder  das „immer“, noch das „alles“. Die Liebste wird jedoch von der zwanghaften Vorstellung durchs Leben begleitet, ohne ihr Tun würde die Familie im Abgrund landen.

Abstauben

Und das teilt sie mir selbstverständlich auch mit. Nur eben nicht mit jenem fröhlich-ironischen Charme, den ich gerne an den Alltag lege. Sie geht es viel subtiler an. Sie ersetzt die Worte nämlich durch gezieltes Stöhnen und Ächzen,   um ihr Arbeitsleid zu dokumentieren. Oder, noch ärger: Sie startet das wichtige Unternehmen des Bücherabstaubens just dann, wenn ich es mir vor dem Fernseher bequem mache. Um mir sprachlos zu signalisieren: „Ach ja, ich würde auch gerne herumsitzen ... aber es gibt ja so viel zu erledigen.“ Dann sage ich absichtlich zum Nachweis meines reinen Gewissens: „Schatzi, sei so lieb, könntest du bitte leiser abstauben.“ Und schon verdreht gnä Kuhn die Augen. Muss sie ja. Aber tief in ihr drin denkt sie fix:  So einwitziger Mann, was für ein Glück!

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 27. 11. Rothneusiedl,   28. 11. Mödling, 12. 12. Gmunden.

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