Kolumnen
07.10.2018

Paaradox: Im Namen der Nudel

Maschine her! Am Anfang stand der Entschluss zur Eigenproduktion, am Ende das No-Na.

SIE

„Sie machen wohl nie Fehler?“ lautete der erste Satz eines Mails, das mich ohne Anrede erreichte. Ja, mitunter bekomme ich kritische Leserpost, in der Partei für den Mann nebenan ergriffen wird.   Böse gnä Kuhn! Dann weine ich   beinahe, sehe aber im  Geiste  Hasiputz, wie er  GMX-
Adressen erfindet und grinsend in die Tasten hämmert.

Wunderding

Aber natürlich mache auch ich Fehler. Viele sogar.  Einer davon rostet seit Jahren vor sich hin: die Nudelmaschine. Ich musste sie einfach haben, damals, nach dem Pärchen-Kochkurs „Toskanische Ostern“. Faszinierend, wie Michele-Marcello Hufnagliani Pastateig leidenschaftlich zu Nudeln verarbeitete. Da war mir klar: So ein Wunderding muss her. Am Tag danach fiel ich in das teuerste Nudelmaschinenfachgeschäft der Stadt ein und erstand einen Nudelmaschinenporsche, auch „King Teigware“ genannt. Einen weiteren Tag später verarbeitete ich viel Mehl zu viel Pastateig und bat den Mann zum Nudelbrett-à-Tête. Allerdings ergaben sich schwerwiegende Probleme mit dem Handling der fünf Meter langen Teigplatte, worauf sämtliche Familienmitglieder herbeieilten, um zu helfen. Am Ende hatten wir  drei Stunden gebraucht, um zwei Kilo Linguini zu produzieren und schauten aus wie Mehlsäcke. Fazit des Mannes: Nie mehr Pasta basteln – basta!   Das anschließende Mahl fiel verhalten aus,   die Nudelmaschine wurde nie wieder in Betrieb genommen.  Ebenso wie die Eismaschine, der Karottenentsafter, der Gemüsespitzer und der Edelstahl-Schokoladen-Rüttler-Kakao-Mehl-Kaffeesichter-Satz. Was das ist, fragen Sie? Ehrlich: Ich weiß es nicht. Es sah einfach nur hübsch aus.
 

Paaradox-Lesetermine:  11. 10,  Stadtgalerie Mödling, 17. 11. Weinwerk, Neusiedl/See, 23. 11,   Kottingbrunn.

gabriele.kuhn@kurier.at

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ER

Gnä Kuhn besitzt das  Talent, wesentliche Begebenheiten unter den Tisch fallen zu lassen. So sehr, dass ich mitunter Absicht dahinter vermute. Daher füge ich hiermit den vergessenen Akt im Nudelmaschinen-Drama hinzu. Was stimmt, ist die Tatsache, dass wir dieses wunderbar sinnliche Erlebnis des gemeinsamen Kochabends hatten. Eine achtköpfige Schar zauberte einst unter professioneller Anleitung stundenlang toskanische Gerichte, und am Ende genossen wir ein grandioses Menü. Im Zuge dessen waren die Liebste und ich uns einig,  dass vor allem die selbst gemachten  Nudeln ein wahres Geschmacksfest waren (was freilich nichts damit zu tun hat, dass deren
Produktion  in meinen Händen gelegen ist).

Einspruch

Die Harmonie verflog allerdings bereits auf der Heimreise. Als meine Frau ihren Willen kundtat, eine Nudelmaschine zu erstehen. Es war kein Erwägen ihrerseits, und schon gar kein Fragen. Nein, es war ein familiärer Nudelmarschbefehl. Dennoch wagte ich einen Einspruch. Der fiel mir leicht, weil ich die Formulierung Bitte nicht Schatzi, das ist doch wieder nur ein Klumpert, das sinnlos irgendwo herumkugelt längst auswendig beherrsche. Es nutzte nix. Sie blieb entschlossen. Ich warf den Zeitparameter, den Umständlichkeitsfaktor, die Begeisterungsnachlasserfahrung ein ... alles sinnlos. Und so verräumte ich das angeschaffte Wunderding nach unserem ersten gemeinsamen Genudel in ein Regal, wo es viele Jahre darauf wartete, wiederentdeckt zu werden. Was unlängst geschah. Sie sagte: „Oha“. Ich sagte nichts. Im Raum stand: Ok, der Mann hatte recht. Und ich gestehe: Es tat mir gut.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 9. 11. Linz, 20. 11. Wien, 24. 11. Klosterneuburg,  27. 11. Rothneusiedl,   28. 11. Mödling

michael.hufnagl@kurier.at

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