Kolumnen
02.09.2018

Paaradox: Der ewige Fragebogen

Wie? Wo? Wann? Was wäre unser Alltag ohne die Suchen nach den Antworten des Lebens?

SIE

Tut leid, ich kann nicht anders. Muss mich noch ein wenig ins Thema der vergangenen Woche verbeißen – seine 1001 Urlaubsfragen und mein damit verbundenes Augenrollen. Denn bei der völlig depperten Frage, warum denn da so viel Sand sei (Anmerkung: Wir waren am Meer, nicht auf einer Tiroler Hochalm), blieb es nicht. Oh nein, mein „Frag-doch-mal-bei-Mutti-nach-Neurotiker“ hatte noch einige weitere kluge Gedankenanstöße parat.

Fahriges Fummeln

Bitteschön, hier die Top 3: 1. Hast eh die Karte  (= den Hotelschlüssel) mit? Verbunden mit nervösem Herumfummeln in diversen Hosensäcken, in der Badetasche, im Tascherl, das in der Badetasche steckt. Meist mit der Erkenntnis: Ui, die ist im Zimmer! 2. Hast du meine Badehose wo gesehen? Verbunden mit einer fahrigen Fahndung, um die Short schließlich als klatschnasses Knödel in der Badetasche zu entdecken, worin dann, jö,  auch das Schlüssel-Karterl eingewickelt war.  3. Hast du die Sonnencreme irgendwo? Das ausnahmslos, wenn ich es mir gerade auf der Liege gemütlich machen wollte. Daher gewöhnte ich es mir ab Urlaubstag drei an, die Tube einfach in den Sand zu pfeffern. Zugegeben, ein Akt der Provokation, man kennt ja seine Creme-Sand-Aversion.  Aber auch ein Hilfeschrei: Bin ich bitte dein Life-Coach? Sie werden sich vielleicht fragen, ob ich nix zu fragen hatte. Aber natürlich!  Jeden Morgen sogar  – beim Anblick seiner  erstaunlichen Frühstücksbuffetbegehrlichkeiten. Die Fragen lauteten: „Wie viele Croissants passen eigentlich in diesen Mann?“ Sowie: „Musst du echt noch fünf Spiegeleier essen?“  Meiste antwortete er nicht, sondern zitierte so beleidigt wie altklug Oscar Wilde: Man nehme sich immer die Zeit, eine Frage zu stellen, nicht immer, eine Frage zu beantworten. 

gabriele.kuhn@kurier.at

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ER

Man könnte vermuten, dass meine Frau stets mit bewundernswerter buddhistischer Gelassenheit durchs Leben gleitet und nur gelegentlich von einem hilflosen Tölpel (auch Ehemann genannt) aus ihrer Mitte gezerrt wird. Sie erwähnt freilich nicht, dass in ihrer DNA ein Verräumungsmodus gespeichert ist, der sich in seiner irrationalen Komplexität einem simplen Geist wie mir niemals erschließen wird. Nur als winziges Beispiel: Ich hänge die nasse Badehose auf eine Liegenlehne, wo sie jedoch nach kuhn’schem Ästhetikprinzip auf! gar! keinen! Fall!  trocknen darf. Daher sucht sie von mystischer Energie geleitet ein anderes Plätzchen, kommuniziert das aber nicht und ist später erstaunt, dass der ewig Suchende an ihrer Seite die Neuordnung nicht antizipiert hat. Bedeutet:  Die Ursache für etwa die Hälfte meiner Fragen heißt Gabriele.

Fragenlawine

Aber wehe, so ein Urlaub hat ein Ende, und wir erreichen (wegen ritueller Hysterie zwei Sicherheitsstunden früher als notwendig) den Flughafen. So schnell kann ich die Koffer gar nicht aus dem Taxi hieven, wird die Heilige eine Eilige, und eine gigantische Fragenlawine rollt über mich hinweg. Dann tönt es im Stakkato Wo müss’ma hin? Wieso steht da nix? Wann ist Check-in? Wo bist du? Hast du die Pässe? Warum dauert das so lange? Welches Gate samma? Gibt’s da kein Klo? Wo bist du? Wann ist Boarding? Kaufst du Wasser? Darf ich das in dein Handgepäck tun? Wo bist du? Und das belebt mit dem Blick auf das große Ganze dann wiederum den Buddha in mir. Der auch sehr gerne Oscar Wilde zitiert: „Es ist so leicht, andere, und so schwierig, sich selbst zu belehren.“

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 3. 10. Vöcklabruck, 4. 10. Salzburg, 6. 10. Tulln, 10. 10. Wr. Neustadt

michael.hufnagl

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