© Jeff Mangione

Kolumnen
07/19/2020

Paaradox: Das Eheleben – ein Spiel ...

... oder doch nicht? Wenn sie doch nur die Anleitungen ordentlich lesen würde. Und er ihren Gieß-Aktionismus richtig interpretieren.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

„Jö, schön“. Oder: „Ein Traum!“. Das sagen Menschen meist, wenn sie hören, dass ich  daheim arbeite, mit kleinem Garten vor der Nase. Auch der Mann nebenan erzählt gerne vom Glück der gnä Kuhn, versäumt aber nicht, sein persönliches Geschick als „lustigen“ Gegenentwurf herauszuarbeiten: Während sie beim Milchkaffee  der Wiese beim Wachsen zuschaut, sitze ich schon beim dritten Termin. So ist mein Leben. Stimmt. Daher denke ich oft darüber nach, wie ich den Papst dazu bringen könnte, meinen Wunderknaben heilig zu sprechen. Bis es so weit ist, fächle ich mir heiße Luft zu, kredenze mir gegen 14 Uhr einen ersten Sundowner und zupfe in kurzen Hosen an roten Rosen.

Gieß-Gatsch-Kreislauf

Es ginge mir super, wäre da nicht mein Bauchgefühl, das mir immer wieder sagt: Der Mann nebenan hat den Bewässerungscomputer  falsch oder gar nicht programmiert. Dieses Gefühl verbalisiere ich seit einiger Zeit: Du, das schaut alles so trocken aus. Kann es sein, dass sich die Dinger nicht einschalten? Er sagt dann meist: Es regnet eh bald. Damit er nicht demnächst sein Grillgut in einer Wüste einnehmen muss, greife ich seit Tagen zwei Mal täglich zum Gartenschlauch als sinnstiftende Alternative zu meinem Hängematten-Dasein. Wäre da nicht Hund Gustav, der dem Reiz gatschiger Erde niemals widerstehen kann und sich nach Voll-Versauung  ins Schlafzimmer  zum Dösen zurückzieht. Dabei muss er Wohn- und Vorzimmer queren. Vom damit verbundenen Gieß-Putz-Gieß-Putz-Kreislauf erzähle ich dem Mann  aber nichts, weil ich weiß, was  kommt: eine langatmig-dramatische Schilderung aus seinem Arbeitstag und der Einwurf, ich müsse „den Hund besser erziehen“. Anmerkung der Redakteurin: Oder das Herrl.

NEUE TERMINE:  8.  10. Stadtgalerie Mödling; 16. 10. Stalltheater Königstetten; 24. 10. Rabenhof; 6.11. Hagenbrunn; 14.11. St. Pölten;  19. 11. Langenlois

gabriele.kuhn@kurier.at / facebook.com/GabrieleKuhn60

ER

Einst saßen wir gerne in der Freunde-Runde und spielten „Die Siedler von Catan“. Meine Frau tüftelte verlässlich mit, obwohl sie mir bereits am Tag unseres ersten Rendezvous feurig erklärt hatte, wie sehr sie Brettspiele verachten würde. Was a) an fehlender Geduld liegt, b) am mangelnden Vermögen, strategisch vorausdenken zu können … oder zu wollen. Daher vertraute sie auch nach der 43. Partie noch immer auf die so genannte Baustoffkarte, auf der in Symbolen die vier (!) Erwerbsvarianten aufgezeichnet sind. Also Kombinationen, die sich jedes Kind nach dem dritten Mal eingeprägt hätte. Gnä Kuhn hingegen fehlte es an Lust und Willen, gedanklich neue Dimensionen zu erschließen. Und diese Episode der Bockigkeit fällt mir immer ein, wenn es darum geht, sich in Anleitungen zu vertiefen.  

Abgründe

Erst sagt sie „Gib her!“. Dann blättert sie, überfliegt die Inhalte und runzelt die Stirn – für alles zusammen benötigt sie nur eine Minute. Samt Erkenntnis: „Versteh’ ich nicht. Da kann sich kein Mensch auskennen.“ Nun, der Mensch an ihrer Seite ist zwar auch kein leidenschaftlicher Leser von Texten wie „So tauschen Sie den Abluft-Filter“, aber zumindest so lösungsorientiert, dass er sich – wenn auch fluchend – den Abgründen mechanischer Rätsel zu nähern versucht. Und so funktionierte eines Tages der Bewässerungscomputer nicht mehr, was für die Liebste nur einen Rückschluss zuließ: Der Mann hat das Ding falsch programmiert. Sie hätte allerdings nicht einmal die (tatsächlich nur für Technik-Freaks verfassten) Systemerläuterungen lesen müssen, um festzustellen: Die Batterien sind leer. Lapidarer kann eine Fehler-Ursache nicht sein. Meine Frau rief trotzdem „Michaeeeeeel?!“, um dann schulterzuckend zu erklären: „Ah, so genau hab’ ich jetzt nicht geschaut“. Macht gar nix. Genau deshalb habe ich bei „Siedler von Catan“ immer gewonnen.

michael.hufnagl@kurier.at / facebook.com/michael.hufnagl9

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