Kolumnen
14.07.2018

Ötzi und die Laktose

Vielleicht sollte man sich ja die Fundstelle auf dem Gletscher noch einmal anschauen, ob man nicht etwas übersehen hat.

Und wieder einmal wurde Ötzi untersucht. Also nicht der mit dem weißen Häkelhauberl, sondern der andere, der tiefgefrorene. Interessanterweise wird ja kein lebender Mensch in Österreich medizinisch so gut betreut wie der Ötzi. (Probieren Sie es einmal, lassen Sie die ganzen Untersuchungen an sich vornehmen und reichen die Rechnungen bei der Krankenkassa ein.)

Die spannendste Erkenntnis: Ötzi hatte Laktoseintoleranz, war tätowiert und aß Brot aus Emmer, zum modernen Menschen fehlten ihm also nur ein Handy und ein Therapeut. Vielleicht sollte man sich ja die Fundstelle auf dem Gletscher noch einmal anschauen, ob man nicht etwas übersehen hat. Vielleicht findet man auch ein Rezept für steinzeitlichen Bulgursalat, eine Thermoskanne mit veganem Soja-Latte-Macchiato, einen Mitgliedsausweis für eine schamanistische Tantra-Töpferei-Gruppe im Waldviertel und einen Porsche-Cayenne-Schlüssel – denn dann steht endgültig fest: Der Ötzi stammte aus Wien-Neubau und war auf der Flucht vor einem Augustin-Verkäufer.