Kolumnen
10/19/2019

Nicht einmal Erdnussbutter.

Wer verliebt ist, der fürchtet gar nichts. Die Arachibutyrophobie hat keine Chance.

von Guido Tartarotti

Worüber soll ich schreiben?

„Schreib über das Wachbleiben,   den Metaxa und  das Schlafen. Schreib über Musik. Schreib vom Blick über Wien, vom  Freiraum vor meinem Fenster, für mich ist das der Blick über die Freiheit. Und schreib von der Rose und  dass du zuschauen musst, wie sie verblüht. Schreib doch von der frischen Luft in der Früh und vom Sonnenaufgang. Vom Duft von Basilikum. Schreib von den Tropfen, die dir beim Duschen runterrinnen. Schreib über die Spaghetti und Rainhard Fendrich und über das Kerzenlicht. Schreib von der Furchtlosigkeit. Und schreib von Liebe.“

Gut, das mache ich. Ich schreibe von Erdnussbutter. Das ist manchmal fast das gleiche wie Liebe. Dann, wenn einem jemand ganz Bestimmter ein Glas Erdnussbutter  schenkt – und man hat gleichzeitig dem anderen ebenfalls ein Glas Erdnussbutter mitgebracht. Und dann sitzt man um drei in der Nacht auf dem Teppich und teilt sich ein Glas und einen Löffel. (Ja, ich esse die Erdnussbutter gerne direkt mit dem Löffel aus dem Glas, ohne den Umweg über ein Stück Brot, das mir dann eh nicht halb so gut schmeckt wie die Erdnussbutter. Apropos, finden Sie auch, dass Brot nie so gut schmeckt wie  es riecht?)

Es gibt eine tatsächlich von der Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell anerkannte Angststörung namens Arachibutyrophobie. Das ist die Angst, dass einem Erdnussbutter beim Essen am Gaumen picken bleibt und man erstickt. Wenn die  Theorie stimmt, dass in der Seele jedes Menschen Platz für genau eine echte, tief empfundene Angst ist, dann sollte man sich, wenn man im Angstgeschäft seine Lebensangst einkaufen geht, für die Arachibutyrophobie entscheiden. Denn Erdnussbutter lässt sich im Angstfall relativ einfach großräumig umfahren.

Oder man nimmt die Liebe zu Hilfe. Wer verliebt ist, fürchtet gar nichts. Auch nicht Rainhard Fendrich oder Metaxa – und schon gar nicht Erdnussbutter.