Kolumnen
12/29/2021

Neujahrsabsolution

Vergessen Sie überambitionierte Vorsätze. 2021 war hart genug. Wer will, dass 2022 freundlicher wird, sollte zu sich selbst freundlich sein.

von Birgit Braunrath

„Vorsätze“ sind, wie ihr Name schon sagt, eine Zwangsbeunglückung. Denn man setzt jemandem etwas vor, zu Neujahr vorzugsweise sich selbst: Zum Beispiel die Gesundheitsverordnung, ab 1.1. orange Gummibärchen durch Karottensticks zu ersetzen, grüne durch Gurkenstreifen und rote durch Paprikastückchen. Oder ein Dekret, wie häufig man ab 1. 1. ein Fitnessstudio von innen sehen muss. Vor Silvester jagt ein Erlass den nächsten (und Erlass heißt in diesem Fall nicht, dass man sich etwas erlässt, was man nicht mag, sondern dass man es sich erst recht aufbürdet).

Das Jahr 2021 war hart genug. Wie soll 2022 freundlicher werden, wenn es schon am Eingang sieht, wie alle sich selbst unter Druck setzen? Angesichts erschwerter Bedingungen empfehlen wir heuer: Neujahrsabsolution statt Neujahrsvorsatz! Egal, was Sie an sich selbst schlecht finden, lassen Sie’s einfach gut sein, und seien Sie freundlich zu sich. Sie kriegen ein fabriksneues, makelloses Jahr geschenkt. Fangen Sie es nicht gleich mit der eigenen Mängelrüge an.

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