Kolumnen
07/19/2020

Johannas Fest: Schwindsucht auf den Tellern

Auch im langjährigen Lieblingslokal war das gewohnte Gedeck auf eine homöopathische Dosis geschrumpft.

von Johanna Zugmann

Vergangenen Sonntag war unser Hochzeitstag. Ebenfalls am 12. Juli – allerdings ein paar Jahre später – haben Olga und Artur geheiratet. Seit wir das wissen, verbringen wir diesen Jahrestag gemeinsam. Bei Schönwetter mieten wir uns am Attersee ein Segelboot und kreuzen dann auf dem türkisfarbenen Wasser auf. Vergangenen Sonntag hatten wir wieder dieses große Glück. Während wir bei gutem Wind ganz gemütlich über den See schipperten, erzählte uns Artur, der nicht nur ein hervorragender Segler, sondern auch ein begeisterter Fischer ist, was sich so alles in diesem Traumgewässer tummelt; unter anderem die rare Reinanke, eine echte Delikatesse.

Groß war die Freude darüber, dass sie in dem Restaurant der gehobenen Preisklasse, das wir zur Feier des Tages aufsuchten, auf der Karte stand. Seeluft macht bekanntlich hungrig und so warteten wir sehnsüchtig auf das bestellte Gedeck à 4 Euro. Ein sehr netter Kellner stellte ein etwa 20 mal 6 Zentimeter großes Porzellantablett ein, auf dem sich ein kleines Kügelchen Aufstrich, fünf hauchdünne Radeln Trockenwurst mit Pfefferrand, zwei Scheiben Butter, zwei halbe Scheiben Schwarzbrot und ein Joursemmerl fanden. „So klein und schon im Restaurant?“, wunderten wir uns. Auf unsere Nachfrage, ob es sich um ein Gedeck für eine oder für vier Personen gehandelt habe, erfuhren wir: „Für vier, aber man könne gerne etwas nachbringen.“ Es folgte nochmals die gleiche Ration.

Homöopathische Dosen

Am nächsten Tag reisten wir über die Wachau heim, wo wir in unserem langjährigen Lieblingslokal für ein spätes Mittagessen Pause machten. Auch hier war das gewohnte Gedeck auf eine homöopathische Dosis geschrumpft. Diesmal fragten wir gar nicht, ob es sich um ein oder zwei Gedecke handle, sondern sahen auf der Rechnung nach. Es waren natürlich zwei!

Zurück in Wien trafen wir unseren hedonistischen Freund Peter, einen ehemaligen Sous-Chef eines bekannten Wiener Haubenkochs. Wir erörterten mit ihm die Frage, ob es wohl möglich wäre, mit Halbierung oder gar Viertelung der GedeckRationen die Pandemie-bedingten Einnahmensverluste zu kompensieren. Peter ergänzte: Nicht nur bei der Ware, auch im Service werde gespart. Vergangenes Wochenende hätte er bei einer Hochzeit in der Südsteiermark Denkwürdiges erlebt: 100 Gäste waren zum Festmahl in das Weingut geladen und an 10er-Tischen platziert. Als beim Erstbedienten schon die Nachspeise gereicht wurde, war beim Letzten noch nicht einmal die Suppe angekommen. Selbst auf den Wein habe man eine gefühlte Ewigkeit warten müssen. Der Grund: für die Gästeanzahl viel zu wenig Personal.

Besonders einfallsreich habe sich das Hotel, das er schon im Februar via Booking.com reserviert hatte, gezeigt: Die Hochzeitsfeierlichkeiten begannen um 14 Uhr. Am Tag vor der Anreise kam eine Mail des Betriebs mit der Information, dass das Check-in von 15 bis 20 Uhr möglich wäre. Gegen einen Aufpreis von 30 Euro könne man das Zimmer bereits um 12:00 Uhr beziehen. Bei einem Preis von 90 Euro für die Nächtigung ein Drittel Aufschlag, ganz schön üppig!

Bei allem Verständnis und aller Wertschätzung für die hart getroffene Gastronomie und Hotellerie, ein Spiel mit offenen Karten wäre viel sympathischer als versteckte Preiserhöhungen!

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