Kolumnen
10/03/2021

Johannas Fest: Gemeinsam tanzen, segeln, kochen

Was miteinander tanzen, segeln und kochen gemeinsam haben? Soll die Performance gelingen, bedarf es einer klaren Zielformulierung.

von Johanna Zugmann

Vor ein paar Tagen kam unsere Freundin Angelika kurz vorbei. Mein Mann saß am Ende des langen Tisches unserer Wohnküche, ich stand hinter dem Herd. Er schnipselte Zwiebel, Wurzelgemüse und schälte Erdäpfel. Ich rührte in großen Töpfen. Abends erwarteten wir Gäste. „Ich bewundere euch. Ihr könnt miteinander kochen!“, streute uns die 39-Jährige Rosen, „bei meinem Mann und mir gerät dieses Gemeinschaftsunternehmen regelmäßig zum Inferno“. – Oh, wie trügerisch solche Momentaufnahmen sein können! Tatsächlich gehen unsere gemeinsamen Einladungsvorbereitungen nur selten harmonisch ab; ähnlich wie die Tanzstunden, die wir einmal kurz vor der Ballsaison genommen haben. Der Göttergatte verfügt als Musiker über ein perfektes Gehör und ein untrügliches Taktgefühl. Vorgeschriebene Schrittausführungen wie „auf Ferse“ oder „auf Ballen“ getanzt, hält er hingegen für unverbindliche Empfehlungen. Das bringt mich als einstige Ballettratte auf die Palme. Das Unternehmen „fit für den Philharmoniker-, Opern- oder Kaffeesiederball“ endete in heftigen Auseinandersetzungen.

Zerreißproben

Noch schlimmer ging unser gemeinsamer Besuch einer Segelschule aus, als wir den Grundschein erwerben wollten. Mehrmals kenterten wir fast, weil die Kommandos desjenigen, der gerade am Ruder saß, für den jeweiligen Mitsegler unklar waren; oder weil sie einfach ignoriert wurden und der Vorschoter nach der Wende seinen Platz nicht wechselte. Die Lehrer trennten uns dann bootsmäßig, da sie ein letales Ende der sich abzeichnenden Ehetragödie durch „Mord an Bord“ befürchteten. Was miteinander tanzen, segeln und kochen gemeinsam haben? Soll die Performance gelingen, bedarf es einer klaren Zielformulierung. Wenn zwei Herzen nicht immer im Dreivierteltakt schlagen, ist jeweils ein Beteiligter (wer, das kann wechseln) festzulegen, der das Sagen hat. Auf dem Parkett führt der Mann, auf See gilt: Der Skipper hat immer recht. In der Küche ist es ratsam, einen Maître zu bestimmen.

Hilfreich ist auch eine schon Tage vor der Einladung erstellte To-do-Liste mit präzisen zeitlichen und räumlichen Angaben, wer was wann wo zu erledigen hat. So vermeidet man in der Küche das Autodrom-Symptom, das sich regelmäßig am Parkett übervoller Ballsäle einstellt. Mit der klaren Verteilung von Verantwortung kommt man besser durch Wind und Flaute, es brennt weniger an und es geht kaum mehr was über. Das wirkt sich positiv auf den Wohlgeschmack des Menüs aus, auf die Harmonie unter den Gastgebern und damit auf die entspannte Stimmung der Einladung. Das sind schließlich neben den Gaumenfreuden die wichtigsten Zutaten für ein gelungenes Fest!

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.