Kolumnen
08/16/2020

Johannas Fest: Absagen, richtig oder "light" feiern

Die beiden hatten bereits den Blumenschmuck, die Live-Musik und die Fotografin ausgesucht und ihre maßgeschneiderten Anzüge in Auftrag gegeben.

von Johanna Zugmann

Vorvergangene Woche haben wir gleich zwei Einladungen ausgelassen: Ingrid lud für unsere Freundin Maria, die am Montag Geburtstag hatte, zu einem Grillabend in ihren Garten. Also Maria war es eigentlich gar nicht so recht, dass Ingrid so viel Aufhebens um ihren Geburtstag machen wollte, der nicht einmal ein runder war. Dass es mit „open Air“ nichts werden würde, zeichnete sich überdies schon früh ab, als Meteorologen einen gründlich verregneten Wochenbeginn voraussagten. Wegen neuerdings entstandenen körperlichen Distanzbedürfnissen sagte ich frühzeitig ab.

Peter und Karl hatten schon im Jänner ein „Save the date“ für ihre im August in Italien geplante Hochzeit ausgesendet. Auf einem Weingut in der Toskana sollte in Gesellschaft von 200 Gästen der Bund fürs Leben geschlossen und gefeiert werden. Die beiden hatten bereits den Blumenschmuck, die Live-Musik und die Fotografin ausgesucht und ihre maßgeschneiderten Anzüge in Auftrag gegeben. Bis Ende Mai hofften sie noch, dass der Tag aller Tage im August 2020 stattfinden würde. Schweren Herzens bliesen sie das Ereignis Anfang Juni ab, entschieden sich aber, den bestehenden Standesamt-Termin wahrzunehmen. Anschließend sollten Verwandte und engste Freunde bei einem Italiener vorbeischauen, nur kurz zum Gratulieren und zur Abgabe der obligaten Schampus-Flasche; „Feiern light“ also. Wie ich später hörte, blieben diejenigen, die kamen, bis 04.30 Uhr!

Auch unser Freund und Nachbar Robert, der heuer topfitte 70 wurde, hatte schon im April darum gebeten, den Termin 5. August vorzumerken. Da wollte der herzliche Unternehmer in den Renaissancehof des Schlosses in seinem Heimatort einladen. Launige Reden, feierliche Blasmusik, originelle Spiele und ausgelassener Tanz waren als Programm angedacht. – Es wäre sicher sehr lustig geworden, aber „Festgäste in Masken, das macht doch nur beim Karneval in Venedig Sinn, oder?“, meinte der vorsichtige Jubilar und verschob auf 2021.

Ende August hat mein Göttergatte Geburtstag. „Gar nicht, es ist ja kein Runder“, antwortete er auf meine Frage, wie er ihn denn feiern wolle. Das sagt der beste Ehemann allerdings jedes Jahr und im letzten Moment will er doch Freunde um sich sehen. Jetzt hat er sich entschieden: Er will ein kleines Dinner mit Meeresfrüchten. Austern, Vongole, Miesmuscheln sollen am Speiseplan stehen; auf der Gästeliste nur Freunde, die Mollusken ebenso lieben und darüber hinaus fähig sind, die felsenharten Gehäuse der Austern zu öffnen. Letztere Anforderung deshalb, weil der Gespons mit den Jahren erfahren hat, dass man beim einsamen Öffnen mehrerer Dutzend „Fines de claire“ ganz schön alt werden kann. Und wer will schon seiner Zeit voraus sein, wenn es sich um die eigene Lebenszeit handelt? Also bei dem Anforderungsprofil an die Gäste wird sich die Runde auf intime sechs bis acht Personen beschränken. Gut so, die können wir drinnen wie draußen „Anschober-korrekt“ unterbringen. – Zum Runden lassen wir es wieder richtig krachen!

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