Franzobels WM-Kolumne: Marmelade, Fußball und die Deutschen
Österreich und Deutschland verbindet mehr, als beide zugeben wollen... von Marmelade bis Fußball. Hier schreiben abwechselnd Schriftsteller Franzobel, Schauspieler Alfred Dorfer und Autorin Johanna Sebauer.
Von: Schriftsteller Franzobel
Endlich darf das Wort Marmelade wieder verwendet werden, das hat sogar im Fußball Konsequenzen. Da hilft der Österreicher zu allen anderen, sobald sie gegen Deutschland spielen, was in einem weltgeschichtlichen Ereignis wurzelt: Córdoba.
Für uns ein Meilenstein, sportgeschichtlich unbedeutend. Hätten wir nicht die trennende gemeinsame Sprache, würden wir uns mit Deutschland nicht so viel vergleichen. In Piefkenesien sagt man Schullandheim, während es bei uns Landschulheim heißt. Grüne Bohnen statt Fisolen, Blumenkohl für Karfiol, Möhrchen statt Karotten. Die Deutschen leben, um zu arbeiten, während die Österreicher arbeiten, um zu leben. Und dann noch der Humor. In Deutschland wird alles ernst genommen, in Österreich nichts. Der Deutsche will alles erklären, dem Österreicher ist das eher wurscht.
Ja eh. Der homo austriacus ist schlampig, der Piefke genau. Seine Angewohnheit, mit Handtüchern Liegen zu reservieren, hat ihn auf der ganzen Welt beliebt gemacht hat. Nein, stimmt nicht, in Wirklichkeit rasten sich die Teutonen auf ihrem guten Ruf aus. Der Österreicher tarnt mit Gemütlichkeit seinen Fleiß, beim Deutschen ist es umgekehrt. Aber nun dürfen wir wieder, EU sei Dank, Marmeladinger sagen.
Ein Begriff aus dem Ersten Weltkrieg und liebevoll gemeint, weil trotz aller Sticheleien mögen wir die Germanen irgendwie ja doch. Sogar im Fußball. Und wenn wir uns bei deutschen Misserfolgen freuen, ist das nicht bös gemeint, weil wie sagte schon der große Fußballphilosoph Hans Hubert Vogts: „Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle sollte man daheim mit seiner Frau im Wohnzimmer ausleben.“ Darauf einen Löffel Marmelade. Marille, weil die hält man in Konfitürien für Schnaps. Prost!
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