Kolumnen
08/20/2021

Ein Ikea-Katalog für das Burgtheater

An Haben und Nichthaben, an Sein und Nichtsein im Kulturbetrieb haben wir im Redaktionskomitee der Wiener Ansichten jetzt gedacht, als uns der neue Burgtheater-Katalog ins Haus geschneit ist.

von Barbara Mader

Orchestermusiker um 30 Euro. Die Diskussion, die bei der 100-Jahr-Feier des Burgenlandes ausgelöst wurde, ist alt, aber wichtig: Künstler, die sich gut im Kultur-Establishment zurechtgefunden haben, verdienen gut, mitunter sehr gut. Andere müssen sich mit ein paar Euro abspeisen lassen.

An Haben und Nichthaben, an Sein und Nichtsein im Kulturbetrieb haben wir im Redaktionskomitee der Wiener Ansichten jetzt gedacht, als uns der neue Burgtheater-Katalog ins Haus geschneit ist. Er ist so dick wie seinerzeit der Ikea-Katalog, Gott hab ihn selig. Toll war der. Auch, wenn man rein gar nichts von Ikea wollte, konnte man sich trefflich darin vertiefen. Selbst Literaturkritiker Hellmuth Karasek beschäftigte sich einst mit der Telefonbuch-dicken Druckschrift und schrieb gar eine Rezension darüber.

Doch Kataloge drucken kostet. Ikea und Otto-Versand haben mittlerweile davon Abstand genommen, die Fans trauern. Das Wiener Burgtheater geht den umgekehrten Weg. Es hat sein Saisonprogramm zum opulenten Katalog erweitert. Und schickt das 200-Seiten-Elaborat gleich mehrfach an Haushalte, wo Menschen wohnen, die schon einmal Burgtheaterkarten bestellt und ihre Adresse angegeben haben. Bestimmt nicht günstig, mit Druck und Versand. Uns fehlt die Expertise, um zu beurteilen, ob dafür beim Layout gespart wurde. In unseren Banausen-Augen schaut die für Titel verwendete Schrift aus wie Fraktur auf Koks. Jedenfalls schwer leserlich. (Leserlichkeit ist längst kein Kriterium mehr für Printprodukte.) Eine Münchner Grafik-Firma zeichnet dafür verantwortlich. Die Namen der Schauspieler in den Ankündigungen der Stücke zu erwähnen, ging sich trotz der Dicke des Katalogs nicht aus. Vielleicht ist’s ja auch Old-School, ins Theater wegen der Schauspieler zu gehen.

Wir gehen morgen ins Schubert-Theater am Alsergrund. Keine Ahnung, wie die sich durch die Krise gewurschtelt haben. Sie machen auch engagiertes Theater. Telefonbuch-dicke Gschisti-gschasti-Kataloge sind aber nicht drin.

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