Kolumnen
10/03/2020

"Drenterdaun" gibt es nicht

"ÜberLeben": Ich lerne Mostviertlerisch - hiebei, herdaun und drenterbei.

von Guido Tartarotti

Ich teile mein Leben jetzt seit  einem Jahr mit einer Mostviertlerin. Das ist vor allem: schön. Denn die Mostviertlerin ist der vermutlich sympathischste Mensch, der mir je begegnet ist. Ich frage mich manchmal: Was will die dann  mit mir, der ja hauptberuflich grantig ist?

Wäre ich ein in hunderten ganzheitlichen Sitzkreisen gestählter, aus Globuli, naturtrübem Apfelsaft und Bulgursalat zusammengeschraubter Esoteriker, würde ich jetzt sagen: Das Universum hat sie mir geschickt, damit ich nicht der bin, der ich bin, sondern der werde, der ich sein könnte. (Dieser Gedanke ergreift mich gerade so, dass ich jetzt eine zehnminütige Mahnwache einlegen muss. Wenn Sie mich also kurz entschuldigen würden.)

Unsere Beziehung bringt aber auch Herausforderungen mit sich, wie immer, wenn Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen zusammenleben. Ich bin Deutschlehrerkind, ich spreche Hochdeutsch, gestern verwendete ich sogar das Imperfekt, morgen werde ich vielleicht sogar die Vorzukunft verwendet haben.  Und ich liebte das Leben nicht ohne den zweiten Konjunktiv. Meine Freundin dagegen spricht Mostviertlerisch, sagt Sachen wie „beankerte Schuach“ (grobe Schuhe) oder „Du schaust aus wia a g’spiebenes Öpfikoch“ (du machst einen ramponierten Eindruck). Mostviertlerisch ist eine komplexe Sprache, das Internet-Lexikon für Mostviertlerisch kennt allein neun verschiedene Bedeutungen  von „a“!

Derzeit versucht meine Freundin, mir ortsanzeigende Begriffe beizubringen. Sie unterscheidet etwa „hiebei“, „herdaun“, „drenterbei“, „drunterbei“, „hiedaun“, „drüberbei“ und „herdaunabei“. Interessanterweise gibt es „drenterdaun“ nicht. Ich erweise mich als völlig unfähiger Schüler, ich bin ja grandios unbegabt für Fremdsprachen.

Und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob sie mich nicht verarscht und all diese Begriffe frei erfindet. In der Hoffnung, ich sage einmal bei einer Familienfeier zum Gaudium aller: „Ich hätte gerne ein Bier drenterbei.“

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