Kolumnen
04.11.2018

Die Geldgier spielt in einer eigenen Liga

15 Topklubs verdienen so viel wie die restlichen 700 Profivereine. Aber es gibt noch viel herauszuquetschen aus dem Fußball.

22 Seiten – was das Nachritenmagazin Der Spiegel in der jüngsten Ausgabe im Rahmen der „Football Leaks“ auf seiner Aufdecker-Plattform präsentiert, lässt staunen, bestätigt Vermutungen und überfordert durch unermüdliches Stochern in allen dunklen Ecken und Winkeln des Fußballgeschäfts die individuelle Vorstellungskraft.

Noch existiert kein Grund, am Wahrheitsgehalt zu zweifeln, ziemlich zurückhaltend blieben die Reaktionen der mitwirkenden Parteien.

Egal. Es wird ohnehin zu nichts führen. Die Vertreter der großen Klubs und Verbände werden weiterhin beleidigt dementieren, beteuern, dass all ihre Machenschaften zum Wohle des Sports geschehen, auf ihre Funktion des unverzichtbaren Zugpferds pochen und kaum berühren wird sie, dass viele ihr längst durchschautes Motiv der grenzenlosen Geldgier einfach nur zum Kotzen finden.

Zwangsbeglückung

Der Fan? Eine Verschubmasse, die murrt, aber am Ende ungefragt doch alles hinnimmt. Ein willkommenes Argument vielleicht für all jene, die mit Gewalt vorgetragene Systemkritik als berechtigt erachten.

Nicht zu übertreffen ist die Arroganz, mit der sich die selbst ernannten Gründungsmitglieder einer elitären Liga aus Madrid, München, Barcelona oder Manchester in geheimen Treffen möglicherweise schon das große Geschäft zurechtgezimmert haben. Ein Konstrukt, das mit seinen Nebenvereinbarungen kaum mehr zu durchschauen ist. Aber unantastbar soll die stete Klassenzugehörigkeit der Gründungsmitglieder jedenfalls sein, garantiert bleibt so ein pausenloses Hängen am Geldhahn. Fünf weitere Klubs werden als „Gäste“ geduldet, um den Kreis der „Großen 16“ zu schließen.

So, oder so ähnlich könnte ein Kompromiss irgendwann ausschauen – ein gemeinsames Inzucht-Produkt von UEFA und Großklubs, die ihren Machtkampf bald beenden, weil sie wissen: 15 Topklubs haben in den letzten Jahren zwar so viel verdient wie die restlichen 700 Profivereine. Aber es gibt noch viel herauszuquetschen aus dem Fußball.